"Eine regelrechte Hinrichtung"

Nach der Verkündung des Urteils sackte der Angeklagte vor dem Landgericht in Regensburg zusammen. Den Mord an seiner Ex-Freundin muss der 58-Jährige mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe büßen. Bild: dpa
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Regensburg
23.12.2014
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Im Prozess gegen einen 58-jährigen Zimmerer aus Bogen wegen der Tötung seiner jüngeren Lebensgefährtin ist das Urteil gefallen: lebenslänglich. Das Landgericht Regensburg befand den Angeklagten am Montag des Mordes aus Rache für schuldig.

Als der Angeklagte nach Verkündung des Urteilstenors in sich zusammensackte sprach der Gerichtsvorsitzende, Vizepräsident Werner Ebner, von einem "vor Selbstmitleid triefenden Verhalten vor Gericht". Der Angeklagte weine über das, was er angerichtet hat, und sich selbst. "Die Seele des Angeklagten war zum Tatzeitpunkt zerfressen von Hass und Rachegefühlen", sagte Ebner. Die Tat habe einen "Bestrafungscharakter" gehabt und sei eine "regelrechte Hinrichtung" gewesen.

13 Zentimeter tiefe Stiche

Der Angeklagte hatte trotz eines gerichtlichen Kontaktverbots am 13. Mai seine langjährige Lebensgefährtin im früher gemeinsam bewohnten Haus aufgesucht und dort neun Mal zugestochen. Die Messerstiche drangen bis zu 13 Zentimeter tief in den Körper des Opfers und verletzten beide Lungenflügel, die Aorta sowie Herz, Leber, Magen und Darm. Aufgrund innerer Blutungen in Verbindung mit Atemversagen starb die 53-Jährige kurz nach der Tat. Schnittverletzungen am linken Unterarm und der linken Hand deuten auf eine anfängliche, wenn auch schwache Gegenwehr hin.

An sieben Verhandlungstagen seit Mitte November war die Schwurgerichtskammer damit beschäftigt, die Umstände der Tatausführung aufzuklären. Dabei waren auch die persönlichen Verhältnisse des Angeklagten und seine Beziehung zu der Lebenspartnerin von entscheidender Bedeutung. Demnach war der Zimmerer gesund und hatte keine psychischen Vorerkrankungen. Auch habe er keine Drogen genommen und allenfalls "zwei bis drei Feierabendbierchen" getrunken. Im Familien- und Bekanntenkreis galt er als freundlich und hilfsbereit, aber auch als aufbrausend und jähzornig. Etwa ab dem Jahr 2010 war das Verhältnis des großen Mannes zu seiner zierlichen Lebensgefährtin eingetrübt. Zahlreiche Zeugen berichteten von Verhaltensweisen des Angeklagten, die für seine Partnerin bedrohlich waren. Demnach sei er gerne "ausgeflippt", wenn ihm was nicht gelungen war, hieß es. Dabei fand der Gerichtsvorsitzende die anderslautende, "wohlwollende" Aussage der Schwester des Angeklagten für menschlich nachvollziehbar.

Etwa eine Woche vor der Bluttat muss laut den Aussagen das Paar festgestellt haben, dass die Beziehung zerrüttet und gescheitert war. Zwei Tage später kam es zu einem Schlüsselereignis. "Ohne dies hätte es die Tat nicht gegeben", so der Gerichtsvorsitzende in seiner mündlichen Urteilsbegründung. Einem handfesten Streit folgte ein polizeiliches Kontaktverbot, welches durch das Familiengericht vier Tage später bestätigt wurde.

Am Tattag bewaffnete sich der Angeklagte mit einem 30 Zentimeter langen Fischermesser mit einer Klingenlänge von 17 Zentimetern und einem Zimmerer-Hammer und fuhr zum ehemals gemeinsamen Haus. 700 Meter davon entfernt stellte er sein Auto ab. Spätestens da, so der Vorsitzende, habe er den Beschluss gefasst, die Frau zu töten. Nachdem er die Terrassentüre eingeschlagen hatte, überraschte er seine Ex-Partnerin, die gerade zu Bett gehen wollte. Sie sei "arg- und wehrlos" gewesen und hatte keine Chance, dem Angeklagten zu entkommen, sagte Ebner. Nach der Tat wollte sich der Angeklagte das Leben nehmen. Polizeibeamte orteten jedoch sein Handy und fanden ihn rechtzeitig.
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