Erste bayerisch-böhmische Verkehrskonferenz: Schienenverkehr im Fokus
Schneller über die Grenze

Ich hoffe, dass die künftige Bundesregierung Geld in die Hand nimmt für eine Region, die lange genug getrennt war.
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Regensburg
26.11.2013
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5 Stunden und 45 Minuten dauert die Zugfahrt von München nach Prag. Viel zu lange, darin waren sich die 80 Teilnehmer der ersten bayerisch-böhmischen Verkehrskonferenz in Regensburg einig. Diskutiert wurde darüber, wie die Schienenanbindung im Grenzraum verbessert werden kann - und welche Projekte Aussicht auf eine Finanzierung haben.

Der Fall des Eisernen Vorhangs ist bald 25 Jahre her, viel hat sich bei der Zusammenarbeit von Bayern und Tschechien seither getan - zuletzt auch auf Ebene der Ministerpräsidenten. Mit dem Lückenschluss der A6 zwischen Nürnberg und Prag ist die Straßenanbindung erheblich verbessert worden. "Mit den Zugverbindungen kann man aber nicht zufrieden sein", stellte Otto Wiesheu, Präsident des Wirtschaftsbeirats Bayern, klar. "Ich hoffe, dass die künftige Bundesregierung Geld in die Hand nimmt für eine Region, die lange genug getrennt war."

Reduzierte Fahrzeit

Den Nachholbedarf bei den Zugverbindungen im Grenzraum räumte auch Ministerialrat Hans-Peter Böhner, Leiter der Verkehrsabteilung im Bayerischen Innenministerium, ein. "Unser Ziel ist es, mehr Verkehr auf die Schiene verlagern", betonte er. Dabei gebe es allerdings Probleme: Die Strecken im Grenzraum seien weder elektrifiziert noch zweigleisig, die Züge zu lange unterwegs. Abhilfe soll das 2012 beschlossene Memorandum zum grenzübergreifenden Schienenverkehr schaffen. Demnach soll die Strecke Nürnberg-Marktredwitz-Hof-Schirnding/Grenze elektrifiziert und ausgebaut werden, so dass sich die Fahrtzeit von Nürnberg nach Prag auf 4,5 Stunden reduziert. Das habe Bayern für den Bundesverkehrswegeplan 2015 angemeldet. Über kleinere Infrastrukturmaßnahmen soll außerdem die Fahrtzeit von München nach Prag um 30 Minuten verringert werden. Böhner gab zu bedenken, dass es allgemein einen großen Sanierungsstau gibt, was das deutsche Schienennetz angeht. Die politische Akzentsetzung des Bunds sehe daher vor, dass Erhalt und Sanierung vor Ausbauprojekte gehen.

Vorplanungen ab 2016

Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel erklärte, aus DB-Sicht sei vor allem die Elektrifizierung der Strecke Hof-Regensburg wichtig. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte er, er gehe davon aus, dass die Strecke ab 2016 Teil des Bundesverkehrswegeplans ist und die Vorplanungen beginnen können. Dabei würde es sich anbieten, auch die Quer-Strecken nach Tschechien hin auszubauen, sagte Josel - verwies aber auch auf die angespannte Situation im Bundesverkehrshaushalt.

Zu der zweisprachigen Konferenz hatten der Wirtschaftsbeirat Bayern und die Regionale Wirtschaftskammer des Bezirks Pilsen eingeladen. Claus C. Berg, Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats-Bezirks Regensburg, warb für eine zukunftsorientierte Planung der Korridore. Nicht nur der momentane, nationale Bedarf müsse berücksichtigt werden, sondern die Notwendigkeit von grenzübergreifenden Verkehrsadern aus europäischer Sicht.
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