Ex-Bandidos-Chef sagt aus

Der Angeklagte Sascha Roßmüller, Vorstandsmitglied der bayerischen NPD, im Landgericht Regensburg zwischen seinen Rechtsanwälten. Bild: dpa
Archiv
Regensburg
18.08.2015
29
0

Ausgerechnet der ehemalige Chef der Bandidos bricht den Ehrenkodex: Er redet mit der Justiz über eine blutige Attacke der Regensburger Rockerbande auf einen rivalisierenden Motorradclub. Der Kronzeuge liefert aber nur wenige Details.

Am zweiten Verhandlungstag des Prozesses gegen Sascha Roßmüller und vier weitere Angeklagte vor dem Landgericht Regensburg lehnte die 7. Strafkammer alle Anträge der Verteidiger ab. Diese hatten umfassende Aufklärung darüber gefordert, wie die Aussage des als Kronzeugen fungierenden Ex-Präsidenten der Bandidos Regensburg zustande kam. Immerhin lautet das oberste Gebot unter den Rockern: "Niemand spricht mit der Justiz".

Deshalb steht nach wie vor die Frage im Raum, ob der Ex-Rocker-Boss ein V-Mann oder Polizeispitzel war. Teilweise verkleidet durch ein Baseballkappe und eine dicke Hornbrille, was dem Zeugenschutz dienen soll, wurde der 47-Jährige von zwei SEK-Beamten in den Sitzungssaal gebracht. Die Konturen seines rotkarierten Flanellhemdes verrieten, dass er darunter eine schusssichere Weste trug. Er verbüßt derzeit noch eine vierjährige Freiheitsstrafe, zu der er im Frühjahr verurteilt wurde.

Krawall im "Blackout"

Die von den Medien als "Blutnacht von Straubing" bezeichneten Geschehnisse an Weihnachten 2010 kenne er nur aus Erzählungen anderer Bandenmitglieder, so der Zeuge. Er habe sich zur Tatzeit in Österreich aufgehalten. Die Darstellung der Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift, Roßmüller habe weitere Bandenmitglieder nach Straubing bestellt, um eine tätliche Auseinandersetzung zu provozieren, könne er nicht bestätigen.

Ihm sei von einem der Angeklagten berichtet worden, dass die Auseinandersetzung mit der konkurrierenden Motorradgang nicht geplant gewesen sei. Später habe er von einem Mitglied der Straubinger Rocker gehört, dass sich die Angeklagten und weitere Bandidos in der Kneipe "Blackout" versammelt hätten. Einer von ihnen habe ein Kommando gegeben, dann seien alle mit Pfefferspray losgestürmt. Auf einer Feier hätten sich die Angeklagten damit gebrüstet, dass ihre Gegner dem Angriff nur wenig hätten entgegensetzen können, und wie schlimm man den Kneipenwirt zugerichtet hatte: "Aber wenn man auf einer Feier darüber redet, wird immer viel dazugedichtet. Am Ende fehlt dann der halbe Kopf."

Sauer seien die Angeklagten auf Roßmüller gewesen, weil dieser einfach verschwunden war, obwohl ein Kumpan verletzt war und zu verbluten drohte.

Angst um die Ehefrau

Nach seinen Beweggründen für seine Aussagebereitschaft gefragt erklärte der Zeuge, dass seine Ehefrau nach seiner Inhaftierung bedroht worden sei. Deshalb habe er schließlich ausgepackt um in das Zeugenschutzprogramm aufgenommen zu werden.
Weitere Beiträge zu den Themen: Themen des Tages (14863)August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.