Falscher Arzt will in Therapie

Der angeklagte falsche Schönheitschirurg geht in den Verhandlungssaal des Landgerichts in Regensburg. Wegen gefährlicher Körperverletzung, Betrugs und Missbrauchs von Titeln in 110 Fällen steht der 31-Jährige vor Gericht. Am Mittwoch nannte er erstmals den Namen eines seiner Drogendealer. Bild: dpa
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Regensburg
25.06.2015
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Das Urteil lässt auf sich warten. Beobachter hatten damit gerechnet, dass der Prozess gegen einen falschen Schönheitschirurgen am Mittwoch endet. Nun sollen weitere Zeugen befragt werden.

Es kam anders: Eigentlich sollten am Mittwoch nach fünf Verhandlungstagen vor der 7. Strafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richterin Dr. Bettina Mielke im Prozess gegen den 31-jährigen falschen Schönheitschirurgen die Plädoyers gehalten und das Urteil gesprochen werden. Sollten - doch der Angeklagte machte dem einen Strich durch die Rechnung. Nun stehen weitere Verhandlungstage bis in den Juli hinein an.

Der Angeklagte, der seit September 2014 in Untersuchungshaft sitzt, hatte eine Approbationsurkunde und medizinische Belege gefälscht. Von Anfang 2013 bis zu seiner Festnahme nahm er mindestens 110 Eingriffe vor. Zahlreiche "Patienten" traten vor der Strafkammer als Zeugen auf und beurteilten seine Leistungen sehr unterschiedlich.

Widerspruch

Am Mittwoch meldete sich der geständige Angeklagte erneut zu Wort. Langatmig erzählte er, dass er den Leuten etwas gegeben habe, was ihm selbst bei der Lösung seiner Probleme geholfen hat. Dabei sei er von "sicheren Behandlungen" überzeugt gewesen. Er habe deutlich mehr Patienten behandelt, als die Kripo ausfindig machen konnte. Heute würde er es als Glück ansehen, dass er nicht mehr praktizieren dürfe. Dann widersprach er dem psychologischen Sachverständigen. Dieser war anhand einer Haarprobenanalyse zu dem Ergebnis gekommen, dass der Angeklagte zwar Betäubungsmittel konsumiert. Eine Abhängigkeit habe er aber nicht feststellen können.

Die Vorsitzende bat er: "Bitte geben Sie mir die Chance einer Therapie, um mein Leben in die richtigen Bahnen zu bringen." Da er sich bislang geweigert hatte, die Namen seiner Drogen-Dealer zu nennen, fragte ihn die Vorsitzende bis ins letzte Detail über sein Konsumverhalten aus und forderte ihn auf, Ross und Reiter zu nennen. Nach einer Beratungspause mit seinem Verteidiger gab er den Namen eines Dealers aus Hannover preis. Den Lieferanten aus Regensburg wollte er nach wie vor nicht nennen. Dieser habe Kontakte zu Mithäftlingen und er würde Repressalien durch diese befürchten. Stattdessen nannte er seine Eltern und drei weitere Personen als Zeugen.

In den kommenden Wochen soll in Anwesenheit des psychologischen Gutachters nun der namentlich bekannte Dealer als Zeuge gehört werden, ebenso die weiteren Zeugen. Mit einem Urteil ist frühestens Ende Juli zu rechnen.
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