Gewalttaten hinter Gittern

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Regensburg
28.05.2015
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Räuberische Erpressung in zwei Fällen und gefährliche Körperverletzung lauten die Vorwürfe. Das Gefängnis braucht der Angeklagte nicht zu fürchten, denn er sitzt bereits in einer Justizvollzugsanstalt. Für seine Taten droht dem Mann die Sicherheitsverwahrung.

Seit Dienstag muss sich der 27 Jahre alte Strafgefangene vor der 5. Strafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richter Georg Kimmerl verantworten. Wegen der Gewaltdelikte, die er teilweise während seiner Haft begangen hat, droht dem seit 2011 inhaftierten Strafgefangenen auch die Sicherungsverwahrung. Darauf wies zu Prozessbeginn der Vorsitzende hin.

Der Staatsanwaltschaft zu Folge soll der Angeklagte - der zwischenzeitlich von Straubing nach Kaisheim verlegt wurde - im Februar vergangenen Jahres einen anderen Gefangenen in seiner Zelle aufgesucht und von ihm Tabak als Schutzgeld verlangt haben. Um seine Forderung zu untermauern soll er ihn auf das Bett geschubst haben. Als der Mithäftling dort zum Liegen kam soll er mehrfach mit seinem Kopf gegen dessen Stirn gestoßen haben, ohne ihn jedoch dabei erkennbar zu verletzen.

Anderntags tauchte er sofort nach dem Aufschließen der Zellen wieder bei seinem Opfer auf, diesmal in Begleitung eines anderen Häftlings, der allerdings der Staatsanwaltschaft namentlich nicht bekannt ist. Diesmal soll er wesentlich rabiater vorgegangen sein. Er nahm seinen Kontrahenten in den Schwitzkasten. Anschließend packte er ihn am Hals und drückte so heftig zu, dass dieser schwarze Punkte sah. Dabei zog er auch dessen Kopf nach unten.

Mitgefangenen gewürgt

Als dieser auf dem Bett zum Liegen kam soll er noch gezielt mit der Faust oder dem Knie gegen die linke Gesichtshälfte seines Opfers geschlagen haben. Der Geschädigte erlitt eine Unterblutung im Bereich des linken Auges, sowie Würgemale im Halsbereich mit anschließender Atemnot und Schluckbeschwerden.

Vor der Strafkammer stritt der Angeklagte jegliche Tatbeteiligung ab, die Anschuldigungen seien vielmehr frei erfunden. Dafür wartete er gleich mit einer ganzen Reihe von Motiven auf, ihm eins auszuwischen. Als Gefangenensprecher habe er keinen leichten Stand in der JVA Straubing gehabt und dem Wachpersonal Hinweise über den Besitz von Betäubungsmitteln, Handys und anderen verbotenen Gegenständen der Mitgefangenen geben müssen, was nicht gerade zu seiner Beliebtheit beigetragen hätte.

Deshalb habe er auch des Öfteren Tabak bis zum nächsten Einkaufstag ausgeliehen "um sich deren Sympathie zu erschleichen". Einmal habe er einen anderen Häftling denunziert, weil dieser einen USB-Stick besaß. Danach hatte er Schulden in Form von Tabak, die sich durch Wucheraufschläge immer weiter hochgeschaukelt hätten. Auch sei er sexuellen Übergriffen und Morddrohungen ausgesetzt gewesen. Einmal bekam er Besuch in seiner Zelle und wurde gewürgt und mit dem Tod bedroht.

Auch der Geschädigte habe ihn einmal im betrunkenen Zustand zu sexuellen Handlungen aufgefordert. Er habe ihn aber weggeschubst. Für die Tatzeiten will der Angeklagte ein Alibi haben: Er sei am Sonntag mit anderen beim Kartenspiel zusammen gesessen. Am darauf folgenden Montag habe er zusammen mit einem Mithäftling gefrühstückt. Als Motiv könne er sich nur vorstellen, dass der Geschädigte verlegt werden wollte.

Zeugen erinnern sich nicht

Die Alibi-Zeugen des Angeklagten konnten sich nicht mehr daran erinnern, ob dieser sich in der fraglichen Zeit tatsächlich bei ihnen aufgehalten hat. Auch der Geschädigte, der laufend auf Psychopharmaka angewiesen ist, konnte sich nur schwer und lückenhaft an die Vorfälle erinnern, bestätigte aber im Kern die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Der Prozess wird fortgesetzt.
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