Hilfe in Gottes Namen

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Regensburg
31.08.2015
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Auch Jesus war ein Flüchtling. Seine Familie floh vor König Herodes nach Ägypten, heißt es in der Bibel. Grund genug für die Kirchen, die Hilfe für Flüchtlinge nicht nur zu predigen, sondern auch zu praktizieren.

Die großen christlichen Kirchen in Bayern haben ihre Hilfsangebote für Flüchtlinge deutlich ausgebaut. Dies ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Allein die evangelische Landeskirche stellt in diesem Jahr 2,1 Millionen Euro für die Arbeit mit Migranten zur Verfügung, das sind 450 000 Euro mehr als im Vorjahr. In den 324 Kirchengemeinden engagieren sich mehr als 3000 Ehrenamtliche für Flüchtlinge. Ähnlich sieht es in den katholischen Bistümern aus.

Im Bistum Augsburg erhalten nach Angaben eines Sprechers derzeit weit über 10 000 Flüchtlinge Unterstützung. 425 von ihnen sind in kirchlichen Einrichtungen untergebracht. Unterkünfte für weitere 470 Asylsuchende sind geplant. "Wo Flüchtlinge untergebracht sind, werden sie in der Regel auch ehrenamtlich oder im Falle der Katholischen Jugendfürsorge oder dem Kolping-Bildungswerk auch intensiv pädagogisch begleitet", sagte Bistumssprecher Karl-Georg Michel. Kolpingsfamilien böten Deutschkurse und Kinderbetreuung an.

Für die Instandsetzung von Unterkünften hat das Bistum im Doppelhaushalt 2015/2016 einen Sonderetat von drei Millionen Euro aufgelegt. Rund 30 Objekte stehen für die Betreuung zur Verfügung. Dazu gehören Klostergebäude, Kinder- und Jugendheime, Wohnungen und Gebäude von Pfarreien und Diözese sowie ehemalige Internatsgebäude.

"Es ist nicht immer einfach, geeignetes pädagogisches Personal für die Betreuung Asylsuchender zu finden", sagte Michel. "Einige Projekte konnten nicht realisiert werden, weil sie von den staatlichen Behörden abgelehnt wurden. Beispielsweise gab es konkrete Angebote speziell zur Unterbringung christlicher Flüchtlinge aus Syrien. So ausschließlich wurde das jedoch abgelehnt."

Das Erzbistum München und Freising stellt derzeit in 59 Gebäuden Plätze für 953 Flüchtlinge bereit. Allein der Caritasverband betreut etwa 9000 Flüchtlinge. Mehr als 3600 ehrenamtliche Helfer unterstützen die Arbeit der hauptberuflichen Mitarbeiter. Der Katholische Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit "In Via" München unterstützt junge Flüchtlinge beim Lernen und beim Übergang von der Schule zur Ausbildung. Die Kirche finanziert Sprachkurse und den Besuch einer Fahrschule. Für die Flüchtlingsarbeit steht in diesem Jahr ein Sonderbudget von fünf Millionen Euro zur Verfügung.

Die Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge stellt die Diözese Passau vor Schwierigkeiten, weil es dort verhältnismäßig wenige stationäre Jugendhilfeeinrichtungen gibt. So wird das "Beda"-Haus der Benediktinerabtei Schweiklberg derzeit saniert, um im Herbst etwa 60 junge Flüchtlinge aufzunehmen. Die Diözese zahlt dafür 350 000 Euro.

Das Bistum Regensburg hatte im vergangenen Jahr alle Pfarreien aufgerufen, möglichen Wohnraum für die Neuankömmlinge zu melden. Die Häuser, die damals genannt wurden, seien leider nicht geeignet gewesen, sagte Bistumssprecher Clemens Neck. Oftmals lagen die Gebäude zu abseits. Dort untergebrachte Flüchtlinge hätten keine Möglichkeit, Ärzte, Behörden, Schulen, Supermärkte oder Bushaltestellen ohne Auto zu erreichen. In Bistumseinrichtungen wurden bislang 230 Plätze für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufgebaut. Weitere 150 Plätze sind geplant.

Die Diözese Eichstätt hat einen eigenen Flüchtlingsseelsorger ernannt: Andreas Thiermeyer organisiert pastorale Angebote für Asylsuchende und kümmert sich um eine stärkere Vernetzung zwischen Ortspfarrern, den Seelsorgern der verschiedenen östlichen Riten, Helferkreisen, Einrichtungen und staatlichen Stellen.

Mehrere Gemeinde im Erzbistum Bamberg gewähren Flüchtlingen Kirchenasyl. Zudem werden 220 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut. Das Erzbistum hat einen Sonderfonds von 750 000 Euro für die Beratung und Betreuung von Asylbewerbern bereitgestellt.

Im Bistum Würzburg leben derzeit knapp 7000 Flüchtlinge. Etwa 80 Prozent von ihnen werden durch Beratungsstellen der Caritas betreut. Das Bistum gibt in diesem Jahr laut einem Sprecher mindestens 860 000 Euro für die Flüchtlingshilfe aus. Bis zu 300 Flüchtlinge sind im Würzburger Kloster der Erlöserschwestern, im Technikum-Hotel der Diözese und in der Benediktinerabtei Münsterschwarzach untergebracht. Auch mehrere Pfarrhäuser und Gemeindeeinrichtungen stehen zur Verfügung.
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