Inklusion über Schulzeit hinaus

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Regensburg
22.01.2015
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Im Sinne der Inklusion sollen behinderte Menschen die gleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Doch viele Betriebe scheuen sich davor, Beschäftigte mit Handicap anzustellen. Ein Modellprojekt will 35 Oberpfälzern beim Wechsel von der Behinderten-Werkstatt in die Firma helfen.

Ein Unternehmer mit Vorbildfunktion ist Johann Jäger: Der Geschäftsführer der Jäger Metallverarbeitung in Barbing (Kreis Regensburg) beschäftigt seit einem Jahr Kevin Heusler, der zuvor in der Werkstatt der Lebenshilfe Obertraubling arbeitete. Das Schneiden, das Schweißen und die Montage kannte Heusler bereits aus der Werkstätte, in dem 30-köpfigen Team der Firma Jäger wurde er gut aufgenommen. "Mit ein bisschen gutem Willen ist das in jedem Betrieb möglich", ist sich Jäger sicher. Der Vater einer Tochter, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist, weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig es für Menschen mit Handicap ist, einen regulären Job zu finden. "Es kann doch nicht sein, dass die Inklusion in der Schule ganz gut anläuft, und man den Jugendlichen später sagt, die Werkstätten sind der einzige Platz für euch".

"Begleiteter Übergang"

Ein bayernweites Modellprojekt will die Arbeitsmarkt-Chancen für behinderte Menschen nun erhöhen. Am Mittwoch fiel der Startschuss in der Oberpfalz: In der Bezirksverwaltung in Regensburg wurde das Projekt "Begleiteter Übergang Werkstatt - allgemeiner Arbeitsmarkt", kurz "Büwa", vorgestellt. Teilnehmen sollen in den nächsten drei Jahren 345 Werkstattbeschäftigte, in der Oberpfalz 35. Ziel ist es, dass rund 30 Prozent der Teilnehmer zusätzlich zu den bisherigen Vermittlungen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen. Dafür sollen die Teilnehmer qualifiziert werden, die Werkstätten Unterstützung und die Arbeitgeber Anreize erhalten. Der Bezirk rechnet mit Kosten in Höhe von 290 000 Euro, bayernweit werden es 2,9 Millionen Euro sein. Bezirkstagspräsident Franz Löffler sprach von einer echten Herausforderung. Der Trend gehe nämlich in die andere Richtung: 50 Prozent der Zuwachsraten in den Werkstätten kämen durch Personen vom allgemeinen Arbeitsmarkt. "Für behinderte Menschen ist es ein unschätzbares Glück, arbeiten zu dürfen", betonte Löffler. Es gehe dabei nicht nur ums Geldverdienen, sondern auch um die Teilhabe an der Gesellschaft. In vergangenen Jahren seien aber in zwei Oberpfälzer Förderprojekten gerade mal zwei Personen vermittelt worden.

Martin Pfitzenmaier von der Bundesagentur für Arbeit zitierte eine Umfrage unter Arbeitgebern, die Beschäftigte mit Handicap als besonders motiviert, loyal und leistungsbereit beschrieben. Dennoch habe es 2014 in Bayern 23 000 schwerbehinderte Arbeitslose gegeben, die nicht von der günstigen Arbeitsmarkt-Entwicklung profitieren konnten. Mit Blick auf den Fachkräftemangel sieht Pfitzenmaier aber künftig bessere Chancen für sie.
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