Josef Graf wird am 7. Juni zum Weihbischof von Regensburg geweiht - Kein Karrieremensch
Ein Hirte für die Hirten

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Regensburg
29.04.2015
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Der vom Papst ernannte Weihbischof Josef Graf nennt sich selbst "einen schlaksigen Mann, der allein aufgrund seiner Körpergröße gerne im Hintergrund bleibt". Ab 7. Juni muss er in die vorderste Reihe, wenn es darum geht, mit Diözesanbischof Rudolf Voderholzer die Bistumsleitung zu repräsentieren. Dann wird der 57-Jährige im Regensburger Dom zum Auxiliarbischof geweiht.

Gerhard Kardinal Müller wird auch zugegen sein. Als "Hilfsbischof" versteht sich der stets sehr bescheiden und zurückgenommen formulierende promovierte Theologe auch, genau wie es das lateinische Wort sagt. Warum die Wahl des Heiligen Vaters auf den Mann gefallen ist, der 31 Jahre lang Priester ist und davon fast 26 Jahre lang als Spiritual im Regensburger Priesterseminar wirkte, erklärt Voderholzer: "Angesichts des bedrückenden Priestermangels steigt die Arbeitsbelastung der Seelsorger."

Weil der Priesterberuf im sich rasch wandelnden sozialen Umfeld für immer mehr Geistliche entmutigende Erfahrungen bereithält, will der Bischof bewusst das Zeichen setzen, dass er sich "um die Seelsorge der Priester sorgt". Als Weihbischof wird Graf also auf höherer Ebene das fortsetzen, was er als Spiritual sehr gerne gemacht hat: "Als Bruder oder Vater den Weg des angehenden Priesters in die echte Spiritualität, die Nähe zum lebendigen Jesus, zu leiten und als Vorbild zu begleiten." Grafs Aufgabe wird es also sein, als Hirte den Hirten zu dienen. Das konnte er als Spiritual mit dem lässigen Gestus des Kumpels, aber: "An die neue Form und an die für diese Aufgabe angemessene Kleidung muss ich mich noch gewöhnen," gibt Graf zu. Ohne besondere klerikale Karriereambition hatte Monsignore Graf nicht mit höheren Weihen gerechnet.

Zufällig Handy angemacht

Umso erstaunter war er, als er zufällig das Handy anschaltete, um es als Wecker zu gebrauchen. Da sah er, dass einige SMS von der Nuntiatur in Berlin aufgelaufen waren. Graf rief zurück und wurde zum Botschafter des Papstes zitiert. Nikola Eterovic wischte Grafs Bedenken gegen ein so hohes Amt vom Tisch: "Der Heilige Vater will Sie auswählen, und mit Ihren 57 Jahren sind Sie für einen Seelsorger und für einen Weihbischof ohnedies relativ jung!" Wie verlangt, schrieb Graf einen Brief an den Papst: "Mit Furcht und Zittern, aber auch mit Zuversicht werde ich die Aufgabe annehmen!"
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