Jüdische Gemeinde und Förderverein ziehen an einem Strang
Neue Synagoge in Regensburg

Dieter Weber (Förderverein) und Ilse Danziger (Jüdische Gemeinde) packen es zusammen mit vielen Mitstreitern an: Im Hof der Jüdischen Gemeinde Regensburg soll eine neue Synagoge entstehen. Bild: Gibbs
Archiv
Regensburg
17.02.2015
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Seit der Zerstörung ihrer Synagoge 1938 fehlt der Jüdischen Gemeinde Regensburg ein Gotteshaus mit ausreichend Platz. Das soll sich nun ändern: Ein Förderverein sammelt Spendengelder für den 3,5-Millionen Euro teuren Neubau. Durch den Zuzug von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion hat sich die Mitgliederzahl der Gemeinde seit 1994 von 100 auf 1000 drastisch erhöht. Das ist für Ilse Danziger, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg, einerseits erfreulich. "Doch unsere Räumlichkeiten reichen hinten und vorne nicht aus", erzählt sie am Montag.

An Feiertagen treffen sich die Gläubigen in einem für knapp 100 Personen ausgerichteten Flachbau, der in den 60er Jahren im Hof des Gemeindezentrums entstand. Kein angemessener Ersatz für die prächtige Synagoge, die in der Reichspogromnacht 1938 zerstört wurde. "Das jüdische Leben spielt sich grundsätzlich in der Gemeinschaft ab, nach den Gottesdiensten bleibt man zum Reden und gemeinsamen Essen zusammen. Das ist hier kaum möglich", bedauert Danziger. Seit Jahren schwebt der Gemeinde daher vor, eine neue Synagoge auf ihrem Grundstück am Brixener Hof zu bauen. Nun steht auch ein Datum fest: Bis 2019 soll das Gotteshaus errichtet werden - und damit genau 500 Jahre nach der Zerstörung der ersten Regensburger Synagoge, die bis 1519 am Neupfarrplatz stand, eröffnet werden.

Anfang des Jahres startete ein Architektenwettbewerb. Die Vorgaben: Es soll eine Synagoge für rund 200 Menschen entstehen, plus Nebenräume für Schulunterricht, gemeinsame Treffen und die Bibliothek. Eine besondere Anforderung für die Architekten: Einerseits müssen sie die Sicherheitsbedürfnisse der Gemeinde erfüllen - wie der Angriff auf eine Synagoge in Kopenhagen am Wochenende schmerzlich vor Augen führte. Andererseits will sich die Gemeinde nicht abschotten, wie Danziger betont.

3,5 Millionen Euro soll der Neubau kosten. Dazu kommen die Sanierung und die statische Absicherung des Verwaltungsgebäudes. Der Förderverein "Neue Regensburger Synagoge" will das Vorhaben durch das Eintreiben von Spenden unterstützen. Die Mitglieder seien keine Juden, wollen sich aber der historischen Verantwortung stellen, erklärt Vorsitzender Dieter Weber. "Es waren Bürger der Stadt, die die Synagoge zerstört haben und zugeschaut haben, wie die Juden vertrieben wurden."
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