Kosmetische Operationen ohne Titel: Urteil erwartet
Falschem Arzt droht langjährige Haftstrafe

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Regensburg
22.06.2015
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Ein 31-Jähriger hat Dutzende Schönheitsoperationen vorgenommen, ohne Arzt zu sein. Wegen gefährlicher Körperverletzung, Betrugs und Missbrauchs von Titeln in 110 Fällen steht der Mann vor dem Landgericht Regensburg. An diesem Mittwoch, 24. Juni, könnte das Verfahren zu Ende gehen. Sollte nichts Ungewöhnliches passieren, seien an diesem Tag die Plädoyers und das Urteil zu erwarten, sagte ein Gerichtssprecher.

Zum Prozessauftakt hatte der Angeklagte ein Geständnis abgelegt. Der Mann aus der Oberpfalz hatte sich im Internet als plastischer Chirurg ausgegeben. Mit gefälschten Dokumenten und Urkunden hatte er sich einen angeblichen medizinischen Werdegang zugelegt. Gegen Barzahlung behandelte er vor allem die Gesichter seiner männlichen und weiblichen Patienten mit Silikon und Botox. Mehr als 63 200 Euro kassierte der falsche Arzt laut Staatsanwaltschaft zwischen Anfang 2013 und Sommer 2014.

In dem Verfahren hatte der medizinische Sachverständige gesagt, dass die Patienten in großer Gefahr geschwebt hätten und auch Spätfolgen nicht auszuschließen seien. Zahlreiche Geschädigte hatten als Zeugen von schmerzhaften Schwellungen und Taubheitsgefühlen berichtet. Einige klagten nach der örtlichen Betäubung auch über Ohnmacht und Herzrasen.

Der Angeklagte hatte sich als junger Mann selbst mehrfach kosmetischen Operationen unterzogen. Laut psychiatrischem Gutachten leidet der Mann unter einer Störung der Wahrnehmung des eigenen Leibes (Dysmorphophobie) und hält sich für hässlich und entstellt. Zudem attestierte der Gutachter dem 31-Jährigen dissoziale und narzisstische Persönlichkeitsstörungen. Da der Angeklagte bei der Durchführung seines Betrugs und der Operationen planvoll vorging, liege aber keine verminderte Schuldfähigkeit vor. Der Gutachter sprach sich gegen eine Unterbringung in der Psychiatrie aus.

Ins Rollen kamen die Ermittlungen durch eine besorgte Mutter aus Österreich. Sie hatte Zweifel an der Richtigkeit der Angaben zur Approbation des Mannes und die Behörden eingeschaltet. Nach einem Rechtsgespräch zu Beginn des Prozesses war dem 31-Jährigen eine Haftstrafe von vier bis fünf Jahren in Aussicht gestellt worden.
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