Landgericht Regensburg spricht Häftling von Erpressung und Körperverletzung frei
Vorwürfe zerschlagen sich

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Regensburg
01.06.2015
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"Im Zweifel für den Angeklagten": Die 5. Strafkammer des Landgerichts Regensburg sprach am Freitag einen 27 Jahre alten Strafgefangenen vom Vorwurf der versuchten räuberischen Erpressung und gefährlichen Körperverletzung frei. Das Urteil entsprach den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

Dem 27-Jährigen war vorgeworfen worden, im Februar 2014 einen anderen Gefangenen in seiner Zelle aufgesucht und von ihm Tabak als Schutzgeld verlangt zu haben. Um seine Forderung zu untermauern soll er ihn auf das Bett geschubst und mehrfach geschlagen haben. Anderntags sei er sofort nach dem Aufschließen der Zellen wieder aufgetaucht, diesmal in Begleitung eines anderen Häftlings, der allerdings namentlich nicht bekannt ist. Dabei soll der 27-Jährige seinen Kontrahenten in den Schwitzkasten genommen, anschließend am Hals gepackt und gewürgt und ihm einen Schlag ins Gesicht versetzt haben. Auf der Krankenstation der JVA wurden zwei Tage später eine Unterblutung im Bereich des linken Auges sowie Würgemale am Hals mit Atemnot und Schluckbeschwerden diagnostiziert.

Vor der Strafkammer stritt der Angeklagte jegliche Tatbeteiligung ab, die Anschuldigen seien frei erfunden. Für die Tatzeiten habe er ein Alibi. Die Zeugen wussten aber nicht mehr, ob er sich in der fraglichen Zeit tatsächlich bei ihnen aufgehalten hat. Auch der Geschädigte konnte sich kaum an die Vorfälle erinnern, bestätigte aber im Kern die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Vor der Strafkammer behauptete er zudem, dass er den Tag der Tat und den Folgetag auf seiner Zelle verbracht habe. Tatsächlich - dies ergaben Nachermittlungen - hatte er jedoch ganztags in einem Betrieb der Vollzugsanstalt gearbeitet. Aus den Aufzeichnungen des Wachpersonals ergab sich weiter, dass Angeklagter und Geschädigter sich zu den angegebenen Tatzeiten in getrennten Flügeln der Anstalt aufgehalten hatten. Beide hätten sich überhaupt nicht begegnen können.

In seinem Plädoyer warf der Verteidiger dem vermeintlich Geschädigten vor, schlichtweg gelogen zu haben um sein Ziel zu erreichen. Er wollte nach Nürnberg verlegt werden, wo seine Ex-Frau und seine kleine Tochter leben. Alles spreche dafür, dass er sich die Verletzungen selbst beibrachte oder vorsätzlich beibringen habe lassen.
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