Massive Kritik an Regensburger Tourismuswerbung
Alltagsrassismus auf Domspatzen-Plakat?

Das "Skandal"-Plakat. Bild: Brun
Archiv
Regensburg
24.01.2015
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Auf eine seltene Phalanx empörter Kritiker stößt die gestern von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs vorzeitig gestoppte Werbeaktion der Regensburger Tourismus-GmbH: Auf 100 000 Postkarten und Plakaten wurden deutschlandweit Regensburger Originale nach dem Motto "Original und Fälschung" ironisch dargestellt. Darunter auch "falsche" Domspätzinnen, die hampelnd und schwätzend im Chor des Doms stehen und dem über 1000 Jahre gewohnten Bild des weltberühmten Knabenchors widersprechen.

Dass auf dem Foto Mädchen und ein Farbiger mitsingen, empörte zunächst nur die Linken-Fraktion im Stadtrat, die der städtischen Tourismus-GmbH "Alltagsrassismus" und ein Spiel "mit sexistischen Stereotypen" vorwarf. "Plumpe Klischees, frauen- und fremdenfeindlich" urteilte der Bundestagsabgeordnete und frühere Vorsitzende des Diözesankomitees, Philipp Graf von und zu Lerchenfeld (CSU). "Dies ist nicht das Bild, das ich von meiner Heimatstadt vermittelt sehen möchte. Die Macher lassen jedes Fingerspitzengefühl vermissen, weil der Eindruck erweckt wird, Mädchen und Jugendliche mit dunkler Hautfarbe - bewusst oder unbewusst - seien weniger wert."

Lerchenfeld forderte den Stopp der Kampagne. Ausgerechnet vor dem Tag der offenen Tür, mit dem die Domspatzen - unter ihnen etliche Sänger aus fernen Ländern - für neue Schüler werben, beendete ein sichtlich genervter Wolbergs die Aktion: "Ich weiß jetzt wirklich nicht, worüber ich mich mehr aufregen soll: Über die Nichtigkeit des Anlasses, über die künstliche Empörung oder über die Unfähigkeit, Ironie zu erkennen."
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