Mehr als vier Jahre Haft für 31-Jährigen - Dutzende Patienten mit Botox und Silikon behandelt
Falscher Schönheitsarzt muss hinter Gitter

Der falsche Arzt im Gerichtssaal in Regensburg. Bild: dpa
Archiv
Regensburg
28.07.2015
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Die 7. Strafkammer des Landgerichts Regensburg verurteilte am Montag einen 31 Jahre alten selbsternannten "Schönheitschirurgen" zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung, Betrug und Missbrauch von Titeln in 96 Fällen. Der Verfall der bei ihm sichergestellten 45 000 Euro konnte nicht angeordnet werden, da möglicherweise Ansprüche der Geschädigten bestehen. Die Summe bleibt jedoch weiterhin zu diesem Zweck gesichert.

14 weitere, gleich gelagerte Fälle und ein im Raum stehender Verstoß gegen die Heilpraktiker-Verordnung waren vorher eingestellt worden. Damit blieben die Richter sieben Monate unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Verteidiger Tom Wimmer hatte sich für eine Freiheitsstrafe von vier Jahren ausgesprochen.

Wie berichtet, hatte der Angeklagte vom Dezember 2013 bis zu seiner Festnahme im September vergangenen Jahres mindestens 50 Patienten gegenüber vorgespiegelt, dass er eine Ausbildung als Arzt und Schönheitschirurg durchlaufen hat und diese in mindestens 110 Fällen mit Botox und Silikon behandelt. Hierzu fälschte er auch seine Approbationsurkunde, einen Arztstempel und Rezepte. Bereits am ersten Verhandlungstag legte er ein Geständnis ab, nachdem sich vorher die Prozessbeteiligten auf ein Strafmaß zwischen vier und fünf Jahren verständigt hatten. Dennoch ließ die Gerichtsvorsitzende Bettina Mielke eine ganze Reihe von Geschädigten - überwiegend transsexuelle Patienten und Patientinnen - als Zeugen aufmarschieren, die ihn durchweg belasteten.

Nach seinem Geständnis hatte der Angeklagte wiederholt den Versuch unternommen, die Strafkammer von seinem Hang zum Konsum von Kokain zu überzeugen, um die Gefängniszelle mit einem Therapieplatz zu tauschen. Auch fanden die Richter im Einklang mit dem Gutachter keine Anhaltspunkte für eine erhebliche Verminderung der Schuldfähigkeit. "Der Angeklagte hat mit den Taten sein Selbstwertgefühl stabilisiert", so qualifizierte die Gerichtsvorsitzende dies in der Urteilsbegründung. Dabei seien durchaus psychische Krankheitsbilder vorhanden, doch diese stünden in keinem Zusammenhang mit den begangenen Taten.

Strafverschärfend werteten die Richter, dass der Angeklagte auch nach der bei ihm durchgeführten Hausdurchsuchung und der Belehrung anlässlich seiner ersten Vernehmung unverdrossen weitermachte, Patienten mit Silikon und Botox zu behandeln.
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