Missbrauchsverdacht beim Jahn

Fußball
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Regensburg
17.10.2014
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Der SSV Jahn Regensburg kommt nicht zur Ruhe. Während der Verein den Weg aus der sportlichen Erfolglosigkeit sucht, sieht er sich mit einem Verdacht konfrontiert, der das Tagesgeschäft überschattet: Ein ehemaliger Jugendtrainer soll sich an Nachwuchsspielern vergangen haben.

"Der SSV Jahn ist vor kurzem auf Indizien gestoßen, die einen Verdacht auf sexuellen Missbrauch durch einen ehemaligen Jugendtrainer ergaben", erklärte der Vorstand am Mittwochabend in einer Stellungnahme. Daraufhin habe der Verein umgehend eine detaillierte Aufklärung der Sachverhalte angestoßen, die zu einem Ermittlungsverfahren gegen den Trainer führte. Zu konkreten Vorwürfen oder sonstigen Einzelheiten äußerte sich der Jahn mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht.

Dass ein solches läuft, bestätigt auch der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, Theo Ziegler. Die Staatsanwaltschaft sei seit Anfang der Woche mit dem Fall betraut. Dieser sei aber schon früher Thema gewesen. Nähere Auskünfte gab Ziegler am Donnerstag nicht. Man sei noch nicht an den Beschuldigten herangetreten. Auch der Pressesprecher des Polizeipräsidiums, Albert Brück, bestätigt die Ermittlungen. Es habe Strafanzeigen einiger Eltern gegeben.

Der beschuldigte Mann sei in der vergangenen Saison in der Nachwuchsabteilung des SSV Jahn tätig gewesen, heißt es in der Stellungnahme des Drittliga-Klubs. Während seiner Tätigkeit seien weder den Trainerkollegen noch den Verantwortlichen Informationen vorgelegen, die einen Missbrauchsverdacht begründet hätten. Die Beendigung der Trainertätigkeit vor der laufenden Saison habe andere Gründe gehabt.

Beim Bewerbungsverfahren habe es keine Zweifel an der Eignung des Fußballlehrers gegeben. Um Jugendtrainer beim SSV Jahn zu werden, müsse jeder Bewerber einen vollständigen Lebenslauf vorlegen. Darüber hinaus würden ausführliche Gespräche stattfinden. Die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses diene als zusätzliche Präventivmaßnahme gegen Kindermissbrauch. Dieses Verfahren sei auch beim beschuldigten Trainer, der eine Saison beim Jahn tätig war, angewandt worden. Der Mann sei zuvor bei anderen Profivereinen im Nachwuchsbereich angestellt gewesen, auch aktuell arbeite er wieder für einen Profifußballklub.

Nach Informationen der "Mittelbayerischen Zeitung" soll es bei einem Trainingslager mit Übernachtung außerhalb Regensburgs zu einer oder mehreren Taten gekommen sein. Der oder die betroffenen Jungen hätten ihre Erlebnisse anscheinend längere Zeit verschwiegen. Erst jetzt habe sich einer der Buben seinen Eltern offenbart. Die Vorwürfe sollen der Zeitung zufolge von sexueller Beleidigung bis zu schwerem sexuellem Missbrauch reichen.

Der Verein habe die Aufklärung der Thematik in vollem Bewusstsein der medialen Konsequenzen initiiert, betonte die Vorstandschaft. "Aus Sicht der Verantwortlichen ist das Wohl der möglicherweise betroffenen Kinder und etwaiger künftiger Opfer deutlich höher zu bewerten als ein möglicher Imageschaden der Institution SSV Jahn Regensburg." Vorher war der Mann bei anderen Profivereinen im Nachwuchsbereich angestellt. Auch derzeit soll er wieder Jugendliche trainieren.
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