Netzwerke als Chance

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Helmut Heinen, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), beim Zeitungskongress in Regensburg neben jungen Frauen der Akademie für Darstellende Kunst. Entworfen und angefertigt wurden die Kleider aus Tageszeitungen von Martina Topp. Bild: dpa
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Regensburg
22.09.2015
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Journalisten sollen nach dem Willen von Justizminister Maas nicht mehr für Beihilfe zum Landesverrat bestraft werden. Zudem sieht er zentrale Redaktions-netzwerke als Zukunftschance für die Medien.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sprach sich auf dem Zeitungskongress 2015 am Montag in Regensburg dafür aus, "dass wir nicht nur beim Geheimnisverrat, sondern auch beim Landesverrat Beihilfe straffrei stellen sollten". Maas erinnerte an den Fall der beiden Blogger von netzpolitik.org: Rückblickend sei es "sehr gewöhnungsbedürftig, dass ausgerechnet gegen zwei Blogger ermittelt wurde, hinter denen keine große Infrastruktur steht". Er sei von Journalisten angesprochen worden, warum denn nicht gegen sie ermittelt worden sei, obwohl sie doch viel größere Geheimnisse als die Blogger veröffentlicht hätten. "Die fanden das schon rufschädigend."

Die Bundesanwaltschaft hatte Mitte August die Ermittlungen eingestellt. Bei den Informationen über den Verfassungsschutz handele es sich nach übereinstimmender Einschätzung mit dem Bundesjustizministerium nicht um ein Staatsgeheimnis. Die Affäre kostete Generalbundesanwalt Harald Range den Job. "Die Anzeigensteller haben genau das Gegenteil erreicht von dem, was sie wollten", sagte Maas.

Kleine können profitieren

In zentralen Redaktionsnetzwerken von Zeitungen sehe er eine Chance für Medien und Politik, sagte Maas beim zweitägigen Kongress, dessen Gastgeber in diesem Jahr die "Mittelbayerische Zeitung" ist. "Durch Zentralredaktionen wird der Chor vielleicht weniger vielstimmig, aber er gewinnt an Lautstärke." Netzwerke wie bei den Mediengruppen Madsack und Funke steigerten die Reichweite und könnten die politische Berichterstattung schlagkräftiger machen. Kleinere Zeitungen bekämen dadurch größere Chancen, Interviews mit Spitzenpolitikern führen zu können. Die Pressevielfalt werde auf diese Weise nicht eingeschränkt, sondern gesteigert.

Viele Amateure im Netz

Soziale Medien wie Facebook und Twitter machten die Zeitungen nicht überflüssig, betonte Maas: "Im digitalen Zeitalter brauchen wir nicht weniger, sondern mehr journalistische Qualität." Im Netz tummelten sich viele Amateure, Meinungen und Infos würden oft nicht unterschieden, zuweilen stehe eine "pubertäre Lust am Tabubruch" im Vordergrund. Für die Demokratie gelte aber: "Journalistische Kontrolle führt immer zu mehr Qualität in der Politik."

Zur Eröffnung des Kongresses mit fast 500 Teilnehmern wies der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Helmut Heinen, auf die Bedeutung der tagesaktuellen Medien in der Flüchtlingskrise hin: "Die Zeitungen leisten in dieser Situation großartige Arbeit." Über die vielfältige Berichterstattung hinaus handelten zahlreiche Blätter auch im Sinne humanitärer Werte.

Als Beispiel verwies Heinen auf das "Hamburger Abendblatt", das Flüchtlinge als Reporter einsetzte und eine Spendenaktion startete. "Bild-Berlin" und "B.Z." veröffentlichten eine Beilage in arabischer Sprache mit Infos für Flüchtlinge. Die "Schweriner Volkszeitung" zeigt auf einer interaktiven Karte, wo welche Hilfe benötigt wird." Zeitungen seien "einmal mehr Katalysatoren für das große und vielfältige Engagement in unserem Land", sagte Heinen.
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