Netzwerke als Lösungsprinzip

Bezirkstagspräsident Franz Löffler (Zweiter von links) pocht auf eine bessere Vernetzung beim Therapieren von Erkrankungen. Bild: Hinterberger
Archiv
Regensburg
18.04.2015
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Unterstützung und Hilfsmaßnahmen müssen schon greifen, wenn Säuglinge und Kleinkinder zwischen null und drei Jahren alt sind. Warum, wird schnell klar.

"Ist ein Familienmitglied seelisch erkrankt, so sind die restlichen Familienmitglieder immer mit betroffen. Für dieses breit verästelte Konstrukt reicht ein Spezialist oft nicht aus. Vernetzung ist hier das Lösungsprinzip, die Basis für ein funktionierendes Versorgungssystem." Das betonte Bezirkstagspräsident Franz Löffler bei der zweitägigen Fachtagung "Frühe Hilfen - Kooperativ Bindungen stärken und Kinder schützen". Daher sei es nötig, Probleme oder Erkrankungen in Familien früh zu erkennen und zu therapieren. Die Tagung wurde von der Medbo-Klinik für Kinder- und Jugendpsychologie, Psychosomatik und Psychotherapie zusammen mit der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) und der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg (KJF) organisiert.

Partner an einen Tisch

Ziel der Fachtagung war, die Handlungspartner und Ideengeber an einen Tisch zu bringen, um so ein möglichst großes Netzwerk an Hilfsmöglichkeiten aufbauen zu können. Gerade interdisziplinäre Schnittstellen seien äußerst ergiebige Fundgruben für Lösungsmöglichkeiten und Erfolge in der Behandlung, erklärte Löffler den rund 300 Tagungsteilnehmern. Deswegen sei es Ziel der Fachtagung gemeinsame Sichtweisen und Handlungsansätze zu entwickeln.

"Diese Veranstaltung bringt diejenigen zusammen, die im Familienbereich und im Gesundheitsbereich aktiv sind", stimmte Melanie Huml, Bayerns Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Löffler zu. Huml ergänzte, dass es aber nicht nur um einen Netzwerkausbau gehe, sondern auch darum, Familien den Zugang zu Hilfsmöglichkeiten zu erleichtern. "Wir wollen nicht, dass sich Familien aus falschem Schamgefühl keine Hilfe holen", sagte sie. Entstigmatisierung und der Abbau von Hemmschwellen seien wichtig.

Mit dieser Fachtagung wurde außerdem Prof. Klaus Grossmann anlässlich seines 80. Geburtstags am vergangenen Montag gewürdigt. Grossmann und seine Frau Karin haben einen wesentlichen Teil zur frühkindlichen Bindungsforschung beigetragen.

Wissenschaftlich locker

Drei von Grossmanns ehemaligen Studenten - Dr. Hermann Scheuerer-Englisch, Leiter der Erziehungs-, Familien- und Jugendberatungsstellen der KJF, Dr. Elisabeth Fremmer-Bombik, Psychologin an der Kinder- und Jugendpsychiatrie Amberg, und Prof. Klaudia Winkler, Vizepräsidentin der OTH - blickten in ihrer Würdigung auf ihre Uni-Zeit zurück. Trotz lockerer Atmosphäre an Grossmanns Lehrstuhl habe aber immer der wissenschaftliche Fortschritt im Vordergrund gestanden: "Wir haben ständig diskutiert, sogar in der Mensa", erinnerte sich Fremmer-Bombik.
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