Nichts gesehen, nichts gehört

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Regensburg
17.10.2015
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Die drei Männer sollen am Bahnhof im niederbayerischen Niederlindhart einen Flüchtling krankenhausreif geprügelt haben. Im Prozess gegen das Trio hat jetzt eine Zeugin die Verteidigung der mutmaßlichen Täter bröckeln lassen.

Am dritten Verhandlungstag gegen das wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung angeklagte Brüderpaar (18 und 24) und dessen 26 Jahre alten Kumpel ging es für die Jugendkammer des Landgerichts Regensburg hauptsächlich um eine Frage: Hat das Opfer, ein 18-jähriger Asylbewerber aus Mali, die Angeklagten kurz vor Weihnachten 2014 zu der Tat provoziert, und trifft ihn daher eine Mitschuld?

Schmerzensgeld gefordert

Bevor die Zeugen der Verteidigung vernommen wurden, meldete sich der Anwalt des Geschädigten zu Wort. Er stellte Antrag auf Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von mindestens 15 000 Euro und verwies darauf, dass sein Mandant nur wenige Monate vor dem brutalen Übergriff als unbegleiteter Minderjähriger nach einjähriger Flucht nach Deutschland kam. Seit der Tat müsse er psychologisch betreut werden, habe immer noch Angst und fahre nur noch am Tag und in Begleitung Zug. Als "Scheiß-Neger, der das verdient hat" habe der ältere der beiden Brüder das Opfer nach der Tat in einem Internet-Chat bezeichnet.

Keine anzüglichen Gesten

Die Hoffnung der Verteidiger, die 17-jährige Freundin des jüngsten Angeklagten würde dessen Aussagen untermauern, erfüllte sich nicht. Vor dem Fahrkartenautomaten am Bahnhof soll sich eine Gruppe Schwarzafrikaner aufgehalten haben, so hieß es bisher - sie könne aber nicht mit Sicherheit sagen, ob das spätere Opfer unter ihnen war. Anzügliche Gesten aus dem Kreis dieser Männer, wie vom Angeklagten behauptet, habe sie nicht gesehen.

Als sie mit ihrem Freund im Zug saß, sei der junge Mann aus Mali an ihnen vorbeigegangen und habe auf den Boden gespuckt - "aber gesehen habe ich das nicht, ich sah nur später auf meinem Schuh einen Tropfen". Auch von den Übergriffen am Bahnhof Niederlindhart will sie nichts mitbekommen haben.

Ein weiterer Zeuge der Verteidigung, der unweit des Pärchens im Zug saß, will nur gesehen haben, wie "aus dem Mund des Geschädigten Spucke auf den Boden tropfte". Er habe aber nicht gezielt in Richtung des Pärchens gespuckt.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Dann soll auch das mutmaßliche Opfer als Zeuge vernommen werden.
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