Pensionierte Lehrer helfen Asylbewerbern - Bayernweites Projekt startet in Regensburg
Damit Flüchtlinge nicht "dumm dastehen"

BLLV-Präsident Klaus Wenzel (Mitte) mit den ersten "Freiwilligen, den pensionierten Lehrkräften (von links) Karin Plock, Edgar Haseneder, Hildegard Geisler und Schwester Barbara. Bild: Gibbs
Archiv
Regensburg
12.11.2014
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Minderjährige Flüchtlinge kommen durch den Schulbesuch schnell mit der deutschen Sprache in Berührung. Ihre Eltern tun sich da oft schwerer. Künftig sollen pensionierte Lehrer den erwachsenen Asylbewerbern beim Deutschlernen helfen.

Das Projekt, das Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), am Dienstag in Regensburg vorstellte, ist bislang einmalig: Pensionierte Lehrkräfte bringen ihre Erfahrung ein, um erwachsene Flüchtlinge und Asylbewerber bei der Bewältigung des Alltags zu unterstützen. "Sie wollen beim Erlernen der deutschen Sprache helfen, aber auch beim Ausfüllen von Formularen, bei der Erledigung von Behördengängen und vielem mehr", sagte Wenzel.

2000 Lehrer als Ziel

Das Ziel ist ehrgeizig: Bis Ostern nächsten Jahres will der BLLV bayernweit 2000 Lehrer im Ruhestand für das Projekt begeistern. Der Startschuss fiel am Dienstag in der für ihre Integrationsbemühungen bekannten Clermont-Ferrand-Schule in Regensburg. Hier haben sich bereits ein Dutzend motivierte Lehrkräfte gemeldet, vier von ihnen waren bei der Projektvorstellung dabei. "Mir ist es wichtig, dass ich außer einer Geldspende noch etwas für die Flüchtlinge tun kann", erklärte Karin Plock, pensionierte Grund- und Hauptschullehrerin aus Lappersdorf, im Gespräch mit unserer Zeitung. Für diese Aufgabe nehme sie sich gerne zwei, drei Stunden pro Woche Zeit.

Bis Weihnachten wolle man am Pilotstandort Regensburg Erfahrungen sammeln, um danach mit dem Projekt in die Fläche zu gehen, kündigte BLLV-Präsident Wenzel an. Der Verband wolle verhindern, dass erwachsene Asylbewerber beim Deutschlernen hinten anstehen. "Die Kinder können sich nach fünf Wochen in der Schule einigermaßen verständigen, und die Eltern stehen dumm da", beschrieb Wenzel das Problem.

Offene Türen rannte Wenzel bei Martin Neumeyer, Integrationsbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung, ein. "Lehrer sind die idealen Führer durch den Alltag, weil sie wissen, wie man etwas vermittelt und Menschen etwas trotz Verständigungsschwierigkeiten begreifbar machen kann", sagte Neumeyer. "Schließlich haben sie das über Jahrzehnte hinweg praktiziert." Für die Lehrer sei die Teilnahme an dem Projekt eine tolle Herausforderung, die auch Spaß mache. Ins gleiche Horn stieß Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Es gebe nichts Schöneres als Menschen aus anderen Kulturkreisen kennenzulernen. In Regensburg würden Flüchtlinge und Asylbewerber als Mitbürger willkommengeheißen, betonte Wolbergs. Die Oberpfälzer BLLV-Vorsitzende Ursula Schroll zeigte sich zuversichtlich, dass sich viele pensionierte Lehrkräfte beteiligen. "Wir haben ein dichtes Netzwerk an allen Schulen", sagte sie. Außerdem seien Lehrer "hochsoziale Wesen".
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