Pilotregionen mit Pool-Ärzten

Dr. Pedro Schmelz (links), Dr. Maria Luise Vogel und Dr. Wolfgang Krombholz stellen in Regensburg die geplanten Änderungen im Ärztlichen Bereitschaftsdienst vor. Bild: ehi
Archiv
Regensburg
21.04.2015
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42 Bereitschaftsdienstbereiche mit 110 Praxen im gesamten Freistaat: Das ist die Vision der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Die Pool-Lösung soll auch dem Ärztemangel auf dem Land entgegenwirken

Jede Praxis solle dabei ein Einzugsgebiet mit bis zu 150 000 Einwohnern haben, wie Dr. Pedro Schmelz, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVB, am Montag in Regensburg erklärte. "Wir wollen, dass jeder die Möglichkeit hat, mit 30 Minuten Fahrzeit beziehungsweise nach 30 Kilometern eine Bereitschaftspraxis zu erreichen", erläuterte Schmelz das Prinzip, nach dem Patienten zukünftig außerhalb der regulären Sprechzeiten, nachts, an Wochenenden und an Feiertagen ärztliche Hilfe erhalten sollen.

Positive Rückmeldungen

Besetzen sollen diese Praxen, die sich im Optimalfall in den Räumlichkeiten einer Klinik befinden, vor allem mit sogenannten Pool-Ärzten. Dabei handelt es sich um nicht-niedergelassene Mediziner, die durch einen Kooperationsvertrag die Möglichkeit haben, den Bereitschaftsdienst zu unterstützen. "Wir haben rund 51 000 Ärzte angeschrieben, davon haben rund 1200 die positive Rückmeldung geben, dass von ihrer Seite ein Interesse bestehe", berichtete Schmelz. Getestet soll das neue Bereitschaftsmodell zuerst in Pilotregionen werden - eine davon ist Straubing.

Eine weitere geplante Neuerung sei die Trennung von Fahr- und Sitzdiensten, wie der KVB-Vorstandsvorsitzende Dr. Wolfgang Krombholz ergänzte. "Die Kollegen schaffen es aufgrund der Gebietsgröße nicht mehr, Dienst in der Praxis zu leisten und Hausbesuche zu machen", erklärte Krombholz, der selbst als niedergelassener Hausarzt tätig ist. Ziel sei es, neben dem Arzt in der Bereitschaftspraxis pro Schicht auch mindestens einen weiteren Arzt zu haben, der die Hausbesuche übernimmt.

Das Besondere: Der Mediziner soll nicht selbst fahren, sondern im Idealfall einen Fahrer haben, der medizinische Kenntnisse mitbringt. "Wir können uns zum Beispiel Medizinstudenten vorstellen, die so auch Einblicke in den Bereitschaftsdienst erhalten", sagte Schmelz. Zum einen soll diese Vorgehensweise den diensthabenden Arzt entlasten, zum anderen diene es aber auch Sicherheitsaspekten, wie Dr. Maria Luise Vogel, die regionale Vorstandsbeauftragte des KVB für die Oberpfalz, erklärte: "Es gibt oft Stadtviertel, die abends durchaus gefährlicher sein können, außerdem muss man gerade am Land oft sehr lange und einsame Strecken fahren", betonte sie.

Steigende Belastung

Grund für diese geplanten Neuerungen und Weiterentwicklungen ist die 2013 in Kraft getretene Bereitschaftsdienstordnung, die eine Entlastung zum Ziel hat. Die steigende Belastung durch ständige Bereitschaftsdienste würde die Lebensqualität von Ärzten stark beeinflussen und den Nachwuchs von einer Niederlassung im vor allem ländlichen Bereich abhalten, unterstrich Krombholz.

Mit einer Zusammenlegung beziehungsweise Vergrößerung von Gebieten würde man die jährlichen Bereitschaftsdienste der einzelnen Ärzte verringern können, erklärte Vogel. Keine der 29 Dienstgruppen, die es derzeit in der Oberpfalz gibt, solle bis Jahresende weniger als 15 Ärzte haben. Momentan gibt noch acht Gruppen mit weniger als 15 Mitgliedern und eine Gruppe mit weniger als zehn.
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