Positives Beispiel von Integration

Friedrich Kaunzner (links) ehrte den neuen Kulturpreisträger Widmar Hader. Bild: Hinterberger
Archiv
Regensburg
28.09.2015
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"Die Schrecken haben sich bis heute an vielen Orten der Welt wiederholt", sagte Friedrich Kaunzner, Kreisvorsitzender des Bundes der Vertriebenen, mit Blick auf die aktuellen Geschehnisse. Und doch lassen sich die Situationen heute und damals nicht vergleichen, machten Redner am Tag der Heimat deutlich.

Die Erinnerungen der Vertriebenen müssten als Mahnung gesehen werden, Frieden und Zufriedenheit zu erhalten, forderte Kaunzner. Beim Gedenktag am Samstag im Obermünstersaal machte der Kreisverband Regensburg auf die Geschichte der von Flucht, Vertreibung oder Aussiedlung betroffenen Deutschen aufmerksam. Vertretern aus den Oberpfälzer Landsmannschaften traten für Gerechtigkeit und Heimatrecht ein. Bundesweit erinnern die Kreisverbände bei ihren Tagen der Heimat an den 6. August 1950. An diesem Tag wurde vor dem Stuttgarter Schloss die Charta der Heimatvertriebenen verkündet. Sie beinhaltet Rechte und Pflichten all derer, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Heimat in deutschen Ostgebieten und anderen Ost- und Südosteuropäischen Ländern verlassen mussten. Einen zentralen Inhalt der Charta formulierte Kaunzner: "Wir Heimatvertriebene verzichten auf Rache und Vergeltung."

Erinnerungen weitergeben

Trotzdem aber sei eine Anerkennung der Völkerrechtswidrigkeit der Vertreibungen wichtig, fuhr Kaunzner fort. Es müsse eine neue Gesprächskultur zwischen den Heimatvertriebenen und den jeweiligen Ländern entstehen. Darüber hinaus rief er alle Anwesenden auf, ihre Erinnerungen an die Jugend weiterzugeben und so das Andenken an die zahlreichen Opfer dieser Zeit zu wahren.

Waldemar Eisenbraun, der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, betonte, dass die Vertriebenen und Spätaussiedler heute oft als positives Beispiel für Integration gesehen werden. Festredner Dr. Anton Bosch kam zu dem gleichen Fazit. "Die zwei Millionen Deutschen aus Russland sind Gott sei Dank in der historischen Heimat ihrer Vorfahren angekommen. Wir haben uns in die Gesellschaft mit allen Vor- und Nachteilen integriert", so Bosch. So habe die Arbeitslosenzahl der Aussiedler im Schnitt die gleiche Höhe wie die der Einheimischen. Ebenso seien sie in allen Wirtschaftsbranchen zu finden.

Kulturelle Unterschiede

Eisenbraun wehrte sich gegen eine Vereinheitlichung der Geschichte der Aussiedler mit der aktuellen Flüchtlingssituation. "Wir wissen, was es heißt, nicht mehr in die Heimat zurück zu können", betonte er. Trotzdem seien die Heimatvertriebenen mit ganz anderen Voraussetzungen nach Deutschland gekommen. Der Unterschied liege vor allem im kulturellen und religiösen Hintergrund.

Für seine "herausragenden Leistungen im Bereich der Pflege und des Erhaltes des Kulturguts der Deutschen aus den Siedlungen in Ost- und Südosteuropa" wurde während der Veranstaltung außerdem Widmar Hader mit dem Kulturpreis 2015 des Bunds der Vertriebenen in Bayern ausgezeichnet. Der Preisträger war Gründungsdirektor des Sudetendeutschen Musikinstituts in Regensburg sowie Leiter der Sudetendeutschen Musiktage.
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