Prozess gegen Ex-Präsident eines Rocker-Clubs beginnt
Ein schwerer Junge

Symbolbild: dpa
Archiv
Regensburg
20.10.2014
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Seine Name: "Duff Kong". Sein Beruf: Energieanlagenelektroniker. In seiner Freizeit beschäftigte sich der Ex-Präsident eines Rocker-Clubs mit weniger legalen Tätigkeiten: Viele Jahre saß er wegen versuchten Totschlags in Haft. Seit Januar befindet er sich in Weiden in Untersuchungshaft. Nun läuft der Prozess gegen ihn.

Wegen des dringenden Tatverdachts, die Einfuhr von 500 Gramm Crystal-Speed finanziert zu haben, sitzt der Energieanlagenelektroniker Alfred E. (56) seit Montag auf der Anklagebank vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Vizepräsident Werner Ebner. Der Anklageschrift zu Folge soll er im Frühjahr 2012 mit zwei "alten Bekannten" überein gekommen sein, dass diese in der Tschechischen Republik 500 Gramm Crystal-Speed für 10 000 Euro erwerben, um es dann im nördlichen Kreis Regensburg mit einem Aufschlag von 100 Prozent weiter zu veräußern.

Geld zur Verfügung stellen

Einen Hauptabnehmer hatte das Trio bereits. Aufgabe des Angeklagten war dabei, das Geld dafür bereit zu stellen. Die beiden anderen sollten für die Durchführung des Geschäfts sorgen. Dafür sollte jeder von ihnen 3350 Euro Gewinn einstreichen. Das Geschäft ging nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wie geplant über die Bühne. Am Tag der Fahrt nach Tschechien übergab der Angeklagte seinem Geschäftspartner das Geld, um es kurze Zeit später samt Gewinn wieder einzustreichen.

Wie bereits vor der Polizei machte der Angeklagte auch vor der Strafkammer keine Angaben. Deshalb musste die damals in den Gesamtkomplex eingebundene Ermittlungsrichterin in den Zeugenstand. Doch auch ihre Erinnerungen waren nur noch sehr vage. Unter dem Protest von Verteidigerin Veronika Huber las ihr daher der Gerichtsvorsitzende die vor einem halben Jahr protokollierte Aussage eines der beiden Mittäter vor. Danach lief alles so ab, wie es in der Anklageschrift wiedergegeben ist. Lediglich bei der Gewinnverteilung tauchten Unstimmigkeiten auf. Danach soll der Hauptabnehmer für die Zwischenlagerung einen Nachlass von 1000 Euro bekommen haben, der zulasten des Gewinns der beiden anderen Beteiligten ging. An einen weiteren Deal wollte sich dann der Angeklagte nicht mehr beteiligen, da ihm die Sache zu heiß war.

Ein Dutzend Verfahren

Der Angeklagte selbst kann auf mehr als ein Dutzend Strafverfahren zurück blicken. Er war von 1975 bis 2001 Mitglied des MC-Falkenstein und davon in den letzten Jahren dessen Präsident unter dem Namen "Duff Kong". Immer wieder hatten die Vereinsmitglieder für Angst und Schrecken gesorgt. Dabei ging es um Drogengeschäfte im Tonnenbereich und Handel mit Kriegswaffen. Bei mehreren Auseinandersetzungen mit konkurrierenden Rockerbanden fielen auch Schüsse.

Zuletzt war der Angeklagte um die Jahrtausendwende zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren wegen versuchten Totschlags und Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt worden. Lange konnte er die Freiheit nicht genießen. In einem erst kürzlich zu Ende gegangenen Prozess vor dem Landgericht Aschaffenburg wegen eines vor 20 Jahren begangenen Mordversuchs trat er gegen seinen Erzrivalen als Kronzeuge auf. Prozessbeteiligte konnten sich des Eindrucks nicht verwehren, dass es sich hier um einen späten Rachefeldzug handelte.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Es sind zunächst sieben Verhandlungstage angesetzt, an denen auch die früheren Komplizen des Angeklagten aussagen müssen. Diese haben bereits angekündigt, dass sie nur mit einem Zeugenbeistand erscheinen. Das Urteil soll Mitte Dezember verkündet werden.
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