Prozess um Attacke auf Asylbewerber - Verteidiger der Angeklagten sehen keine rassistischen ...
Verräterische Telefongespräche

Am Bahnhof im niederbayerischen Niederlindhart sollen drei Männer kurz vor Weihnachten 2014 einen Asylbewerber so schwer verletzt haben, dass der junge Mann im Krankenhaus behandelt werden musste. Bild: dpa
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Regensburg
16.10.2015
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Vor der Großen Jugendstrafkammer des Landgerichts Regensburg ist der Prozess um eine brutale Attacke auf einen Asylbewerber in einem Zug in Niederbayern weitergegangen. Die Anklage gegen einen 18-Jährigen und dessen Bruder (24) sowie einen Freund (26) lautet auf versuchten Totschlag mit gefährlicher Körperverletzung. Wenige Tage vor Weihnachten 2014 sollen die drei in Niederlindhart (Kreis Straubing) einen 18-jährigen Asylbewerber aus Mali in einem Zug krankenhausreif geprügelt haben.

Hautfarbe kein Motiv

Am zweiten Verhandlungstag widersprach Markus Huesmann, der Verteidiger des jüngsten Angeklagten, der Darstellung, das Handeln seines Mandaten habe einen rassistischen Hintergrund und sei geplant gewesen. Das hatte der Verteidiger des Opfers am ersten Verhandlungstag des Prozesses behauptet und eine mögliche Verurteilung wegen versuchten Mordes ins Spiel gebracht.

Telefone abgehört

Die dunkle Hautfarbe des Opfers sei nicht das Motiv gewesen, so der Anwalt des 18-jährigen mutmaßlichen Täters. Dies zeigt nach seiner Darstellung auch ein Aktenvermerk der Staatsanwaltschaft, wonach diese zunächst die Haftbefehle wegen gefährlicher Körperverletzung beantragt habe. "Erst Tage später ist die Anklagebehörde zurückgerudert und hat die Untersuchungshaft wegen versuchten Totschlags beantragt." Auch eine Hausdurchsuchung habe keinerlei Hinweise auf eine rassistische Gesinnung ergeben.

Der Anwalt Jörg Sodan, der den älteren der beiden Brüder verteidigt, schloss sich den Ausführungen seines Kollegen an. Er verwies darauf, dass die mitgeschnittenen Telefongespräche der Angeklagten in einer "Jugend-Fuck-Sprache" geführt wurden und allenfalls Rückschlüsse "auf die Intelligenz der Sprachführer" zulasse.

Wie ein als Zeuge geladener Sachbearbeiter der Kripo Straubing erläuterte, hatte das Landeskriminalamt bei den Ermittlungen DNA-Spuren des Brüderpaares auf der Kleidung des Opfers gefunden. Daraufhin wurden die Handys und der Festnetzanschluss der Männer überwacht. Wochen später habe sich der 24-Jährige einem Dritten gegenüber am Telefon mit der Tat in Niederlindhart gebrüstet, danach wurde das Trio festgenommen. Mit einem Urteil wird für kommende Woche gerechnet.
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