Regensburger Rocker-Prozess geht in die Verlängerung
Bis in den November

Der Angeklagte Sascha Roßmüller gut gelaunt im Landgericht Regensburg. Bild: dpa
Archiv
Regensburg
20.08.2015
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Im Prozess gegen Sascha Roßmüller und vier weitere frühere Mitglieder des MC Bandidos Chapter Regensburg wegen Landfriedensbruch in einem besonders schweren Fall und gefährlicher Körperverletzung muss die Justiz harte Bretter bohren. Sie versucht das Motiv und das Geschehen in der "Blutnacht von Straubing" im Dezember 2010 aufzuklären. Bislang haben erst zwei sogenannte Kronzeugen den Ehrenkodex "Niemand spricht mit der Justiz" gebrochen. Doch diese waren in dieser Nacht nicht dabei und kennen die Geschehnisse nur vom Hören-Sagen.

So konnte am dritten Verhandlungstag am Mittwoch ein aus Österreich angereister ehemaliger Unterstützer und Anwärter der Motorradgang nur wenig Erhellendes berichten. Zwar hatte einer der Angeklagten in jener Nacht versucht, ihn telefonisch zu erreichen. Er habe aber den Anruf ignoriert. Er konnte sich nicht vorstellen, dass die blutige Auseinandersetzung geplant war: "So was geht von ganz oben aus". Später sei ihm erzählt worden, dass man sich im "Blackout" getroffen habe. Nachdem auf der gegenüber liegenden Straßenseite Mitglieder des MC Gremium vor ihrer Stammkneipe standen habe man beschlossen, gemeinsam das "Blackout" zu verlassen. Dann sei es zu der Schlägerei gekommen.

Bis dato scheint fraglich, ob der Vorwurf des Landfriedensbruchs nachgewiesen werden kann. Bislang kann sicher nur von sechs bis neun Bandenmitgliedern der Bandidos ausgegangen werden. Der Bundesgerichtshof hat jedoch die in Paragraf 125 Strafgesetzbuch verankerte "Menschenmenge" dahin definiert, dass es sich um mindestens zehn Täter handeln muss. Hierauf richten auch die Verteidiger ein besonderes Augenmerk.

Der Prozess dauert an. Ursprünglich war geplant, das Urteil Ende September zu verkünden. Überraschend forderte am Mittwoch der Gerichtsvorsitzende die Verteidiger auf, ihre Terminkalender bereit zu halten, da zusätzliche Terminen bis in den November hinein zu planen seien. Verteidiger Helmut Mörtl beantragte deshalb, seinem Mandanten einen zweiten Pflichtverteidiger zur Seite zu stellen. Er könne nicht gewährleisten, bei einer so langen Verfahrensdauer ständig zur Verfügung zu stehen.
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