Rosenkrieg bei Jahn Regensburg

Der Jahn lässt Franz Gerber (rechts) im Regen stehen: Der frühere Sportchef des Regensburger Noch-Drittligisten feierte mit dem SSV Jahn spektakuläre Erfolge - wie den Aufstieg in die Zweite Fußball-Bundesliga mit dem geringsten Budget. Nach dem Wiederabstieg musste er zusammen mit Trainer Franciszek Smuda (links) das Feld räumen. Jetzt streitet der Verein mit ihm um Geld. Bild: dpa
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Regensburg
24.11.2014
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SSV Jahn GmbH & Co. KGaA versus Franz Gerber: Vorm Landgericht Regensburg tragen die Kontrahenten ihren Kampf um Geld und Selbstachtung aus.

"Ganz schön verwirrend", fasst Jahn-Geschäftsführer Johannes Baumeister das verfahrene Verfahren zwischen der SSV Jahn GmbH & Co. KGaA. und dem früheren Geschäftsführer Franz Gerber beim Verlassen des Landgerichts zusammen. Beide Prozessparteien fordern Geld voneinander. Es darf gerechnet werden.

Im Grunde ist das Prozessieren zwischen einem Profiverein und einem geschassten Manager keine Überraschung. Auf das liebe Geld möchte keiner verzichten, und Emotionen sind auch im Spiel. In diesem Fall nicht zu knapp, wie der Vorsitzende Richter am Landgericht bemerkt: "Ich bin mir bewusst, dass die Fronten verhärtet sind", sagt Josef Lukas. Nach seinem Vergleichsvorschlag ergänzt er: "Damit hätte man auch einige der emotionalen Themen ausgeräumt." Hätte, wenn die Parteien zustimmen würden. Tun sie aber nicht.

Spannender als die Forderungen der Prozessgegner ist der aufschlussreiche Umgang des Regensburger Profivereins mit dem Rohstoff, über den er nach eigenem Bekunden kaum verfügt: Wenn man den Aussagen der Zeugen folgt, wurden Kredite kurzfristig in bar und ohne schriftliche Vereinbarung ausgezahlt. Ähnlich salopp ging man mit der Abtretung einer Forderung in Höhe von 30 000 Euro um: Die Firma Bauteam Tretzel (BTT) hatte Franz Gerber nebst Gattin einen Kredit dieses Volumens zur Verfügung gestellt. Der Zeuge Franz Wild, Geschäftsführer von BTT, erinnert sich, bei einem Treffen mit Johannes Baumeister und dem Ex-Vorstandsvorsitzenden Ulrich Weber, "möglicherweise am Rande einer Aufsichtsratssitzung", den Anspruch angeboten zu haben.

"Es wurde immer wieder diskutiert, dass Herr Gerber Ansprüche gegenüber dem Verein geltend machen würde", sagt Wild. "Wir boten an, dass unsere Forderung damit verrechnet werden könnte." Etwa ein bis zwei Wochen später, am 13. Dezember 2013, habe er dann Weber den Vertrag zugemailt. "Ich kann als Nichtjurist nicht beurteilen, wann die Abtretung rechtskräftig wurde." Warum das nicht schriftlich fixiert worden sei? "Wir machen sehr viele Dinge mit dem Jahn", erklärt Wild. "Wir kennen uns sehr gut, deshalb wird nicht alles schriftlich fixiert. Heute würde ich es anders machen." Ob denn die Klägerin für die abgetretene Forderung eine Gegenleistung erbracht habe? "Bislang nicht", sagt Wild, "wir wollen aber eine haben."

Auf Zinsen verzichtet

Auch andere Ungenauigkeiten konnten nicht restlos geklärt werden. Ursprünglich seien im Vertrag fünf Prozent Zinsen vereinbart worden. "Aber es kann sein, dass wir darauf verzichtet haben." Zeuge Ulrich Weber, Aufsichtsratsvorsitzender der Klägerin, bestätigt, dass ihm Wild per E-Mail den Vertrag zugesandt hat: "Ich habe Herrn Baumeister telefonisch informiert, dass eine Abtretung erfolgen soll, er sagte, er sei einverstanden." Von einer Gegenleistung wisse er nichts.

Unstrittig ist, dass die Zeugen Josef Gerber und Alois Kindler jeweils 15 000 Euro an Franz Gerber in dessen Funktion als Geschäftsführer des SSV Jahn ausbezahlt haben: Ein entsprechender Bareinzahlungsbeleg in Höhe von 30 000 Euro vom 31. Oktober 2010 liegt vor. Franz Gerber habe Kindler, Inhaber einer Physiotherapiepraxis, bekniet: "Der SSV war immer wieder in finanziellen Nöten", sagt Kindler, der seine Finanzspritzen nicht an die große Glocke hängen wolle. "Herr Gerber teilte mit, das wieder mal der Gerichtsvollzieher ansteht, weil Sozialabgaben nicht bezahlt wurden." Es sei nicht das erste Mal gewesen. So habe er 1500 Euro für den Bus vorgestreckt, dann Geld für Flüge nach Bremen. Kindler habe schließlich eingewilligt: "Ich kann privat nochmal 15 000 Euro aufbringen, das ist das Äußerste."

Er habe das Geld in Vertrauen auf Gerber ausgelegt, der ihn immer korrekt behandelt habe. Inzwischen habe er es aber abgeschrieben. "Wenn ich es wirklich wieder bekommen würde, würde ich es sozialen Zwecken spenden. Ich möchte Geld, dass aus diesem Verein kommt, nicht mehr haben." Überrascht zeigt sich Kindler, dass ihn Ulrich Weber nach langer Funkstille am Freitag angerufen habe: "Ich habe vier Jahre nichts mehr von diesen Leuten gehört. Ich sagte, ich verstehe nicht, was er will, er wollte mich da aufklären." Was Weber denn habe aufklären wollen, wollte der Richter wissen. "Das war so verworren. Von einem Anwalt dachte ich, er kann das auf den Punkt bringen. Ich habe gesagt, lass mich damit in Ruhe. Ich habe all die Jahre nichts über den Verein gesagt. "

Auch Josef Gerber, öffentlich bestellter Gutachter, Kaufmann und selbst Gesellschafter der SSV Jahn 2000 GmbH & Co. KGaA, habe seinem Bruder Geld für den klammen Jahn gegeben. "Wir haben intern eine Abmachung, wenn er etwas braucht, bekommt er das." Natürlich habe er erwartet, das Geld wieder zurückzubekommen. Richter Josef Lukas zog aus den Aussagen Schlussfolgerungen für seinen Vergleichsvorschlag:

Von der erfolgten Abtretung des Gerber-Darlehens von BTT an den Jahn könne man ausgehen.

Gleichzeitig halte er es für gesichert, dass Franz Gerber tatsächlich Ansprüche in Höhe von 66 000 Euro geltend machen könne. "Die Beträge waren auch einzeln aufgeschlüsselt." Und es spreche nichts dafür, dass er die Zahlungen von Kindler und seinem Bruder als Gegenrechnung angesetzt habe: "Beträge von 15 000 Euro kommen weder als Betrag noch zum passenden Datum vor." Deshalb vermindere sich der Anspruch der Klägerin von 25 000 auf 5000 Euro.

Andererseits gehe er davon aus, dass der Gehaltsvorschuss an Herrn Gerber von 10 000 Euro zurückbezahlt werden müsse. Deshalb würde sich der Anspruch wieder auf 15 000 Euro erhöhen.

"Dieser Vorschlag ist nicht einfach aus der Luft gegriffen", appelliert Lukas, "sondern beruht auf konkreten Überlegungen. Man könnte drei Streitfelder aus dem Weg räumen."

"Einigen" immer gute Idee

Horst Kletke, Gerbers Anwalt, sieht das anders: "Sich verständigen und einigen ist immer eine gute Idee", räumt er ein, aber es gebe jenseits der hier verhandelten Sachverhalte noch zu viele offene Baustellen: "Entweder, man findet bei allen Punkten das Gespräch oder eine Lösung", oder man könne nicht zustimmen. Außerdem sei Franz Gerber bei der Komplementär GmbH und sonst nirgends beschäftigt gewesen: "Die KG kann also gar nichts zurückfordern."
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