Späte Sühne für Crystal-Deal

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Regensburg
20.02.2015
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Sein Bandenchef sitzt bereits im Gefängnis. Nun schickt das Landgericht Regensburg auch seinen Komplizen, einen 44-Jährigen Hausmeister, hinter Gitter und auf Entzug.

Am Donnerstag verurteilte die 7. Strafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richterin Dr. Bettina Mielke den 44 Jahre alten Hausmeister Thomas H. aus Tegernheim zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten. Außerdem ordnete sie seine Unterbringung im Maßregelvollzug, also in der forensischen Psychiatrie, an. Damit entsprachen sie dem Antrag seiner Verteidigerin Iris Nickl. Die Staatsanwaltschaft hatte sich für eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und fünf Monaten ausgesprochen.

Der Angeklagte war Mitglied des MC Bandidos in Regensburg. Im Frühjahr 2012 war er von dessen damaligem Präsidenten, der inzwischen zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt wurde, auf einen Deal von 500 Gramm Crystal Speed angesprochen worden. Diese sollten in der Tschechischen Republik beschafft werden. Da beide Männer nicht über die benötigten 10 000 Euro verfügten, wandten sie sich an den ehemaligen Präsidenten des MC Falkenstein, der es als "Duff Kong" nicht nur in der Rockerszene zu einem zweifelhaften Ruhm gebracht hatte. Den Gewinn von ebenfalls 10 000 Euro wollte sich das Trio danach teilen.

Zwischenlager in Scheune

Aufgabe des Angeklagten war, das Crystal Speed bei dem ihm bekannten Lieferanten abzuholen und zum Weiterverkauf in einer Scheune in der Nähe von Pettendorf (Kreis Regensburg) zu deponieren. Die Veräußerung zum Preis von 40 bis 50 Euro je Gramm sollte der Ex-Präsident des MC Bandidos übernehmen.

Der Deal klappte auch. Der Angeklagte konnte das Rauschgift ungehindert, offen auf dem Beifahrersitz liegend, in die Bundesrepublik bringen. Auf die Spur des Trios waren die Fahnder durch die laufende Überwachung der Mitglieder der Rocker-Banden gekommen.

Zeuge bei "Duff Kong"

Bereits bei seiner Festnahme hatte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt und dabei auch seine beiden Komplizen schwer belastet. Er trat auch als Zeuge im Prozess gegen "Duff Kong" im vergangenen Jahr auf. Dieser hatte während des gesamten Verfahrens eine Tatbeteiligung bestritten und behauptet, die von ihm gegebenen 10 000 Euro wären zur Begleichung von Privatschulden seines Komplizen bestimmt gewesen. Ungeachtet dessen verurteilte das Gericht "Duff Kong" zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren (wir berichteten).

Damit hatte der Angeklagte einen besonderen Beitrag zur erfolgreichen Tatverfolgung geleistet, was die Strafkammer bei der Strafzumessung honorierte. Mit abgeurteilt wurden auch zwei Diebstähle von Minibaggern, die nach Osteuropa verkauft werden sollten, sowie der Handel mit Marihuana aus den Jahren 2011 bis 2013. Auch hier war der ehemalige Präsident des MC Bandidos die treibende Kraft und der Drahtzieher. Der Aussage des damaligen Sachbearbeiters bei der Kripo Regensburg zu Folge waren dessen Anweisungen "Gesetz", bei denen keine Widerrede geduldet wurde. Er hatte die Kontakte des Angeklagten zu einem tschechischen Dealer ausgenutzt. Das Urteil, dem keine Verständigung der Prozessbeteiligten vorausging, wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.
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