Studie: Fast jeder 20. Mann hat pädophile Tendenzen - Internet-Chaträume als Kontaktbörsen
Falsches Alter vorgegaukelt

Archiv
Regensburg
21.09.2015
8
0
Fast jeder 20. Mann hat pädophile Tendenzen. Das geht aus einer umfangreichen Studie zum Missbrauch von Kindern und Jugendlichen hervor, die jetzt in Regensburg veröffentlicht wurde. Demnach berichteten 4,4 Prozent der mehr als 8700 befragten Männer über Fantasien von sexuellen Handlungen mit Kindern im Alter von zwölf Jahren und jünger. "Weniger als ein Mann unter 1000 erfüllt jedoch die diagnostischen Kriterien der Pädophilie", betonte die Projektleiterin Janina Neutze in Regensburg. Fast vier Jahre lang hatten Psychiater und Psychologen von Unis aus Regensburg, Hamburg, Bonn, Dresden, Ulm sowie aus dem finnischen Turku an dem Projekt gearbeitet. Für die vielen verschiedenen Studien hatten sie anonyme Internet-Interviews mit 28 000 Erwachsenen und mehr als 2000 Kindern und Jugendlichen geführt. Das Bundesfamilienministerium finanzierte die Untersuchung mit 2,5 Millionen Euro. Ein Schwerpunkt war die Bedeutung von Chaträumen als Kontaktbörsen. Von mehr als 2200 befragten erwachsenen Internetnutzern hatten 5,3 Prozent im Internet Kontakt zu Minderjährigen mit sexuellem Inhalt. Dabei gaben viele Erwachsenen ein falsches Alter an; jünger als 18 Jahre machten sie sich aber nicht. "Oft gibt es einen längeren Internet-Kontakt ohne sexuellen Inhalt", erläuterte Neutze. "Es wird Vertrauen aufgebaut und den Kindern vorgegaukelt, sie seien etwas Besonderes." Kommt es dann zu sexuellen Inhalten, haben die Opfer Schwierigkeiten, den Kontakt abzubrechen: "Die Kinder und Jugendlichen bleiben dabei, weil sie neugierig sind. Im Rahmen ihrer sexuellen Entwicklung nutzen sie das Internet, um erste Erfahrungen zu sammeln."
Weitere Beiträge zu den Themen: Themen des Tages (14863)September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.