Sven Hannawald hält Vortrag über seine Lebenskrise
Überflieger landet hart

Sven Hannawald berichtete in Regensburg, wie er nach dem Burnout den Weg zurück ins Leben fand. Bild: gib
Archiv
Regensburg
26.09.2014
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Er war einer der weltbesten Skispringer, galt als Mädchenschwarm einer ganzen Generation. Dann fiel Sven Hannawald in ein tiefes Loch: Ein Burnout beendete seine Karriere. Vor Intensivpflegern in Regensburg erzählt er, wie er seine Lebenskrise überwunden hat.

Seinen Körper kannte der Hochleistungssportler in- und auswendig. Doch die Psyche spielte irgendwann nicht mehr mit. "Viele Ärzte haben mich untersucht und mir attestiert, dass ich topfit bin", erzählte der heute 39-Jährige am Rande des 7. Intensiv-Pflegetags am Uniklinikum Regensburg (UKR).

Doch in sich drin spürte er, dass etwas nicht stimmte. Er fühlte sich furchtbar müde, gleichzeitig innerlich unruhig, wie ein gehetztes Tier. "In Ruhephasen habe ich aus heiterem Himmel angefangen zu weinen." Bis ihm eine Therapeutin erklärte, was mit ihm los war: "Burnout" lautete die Diagnose. Es habe mehrere Jahre gedauert, bis er wieder in der "normalen Welt", angekommen war, räumte Hannawald ein, der bis heute als einziger Skispringer alle vier Springen der Vierschanzentournee in einer Saison gewonnen hat.

"Ich musste lernen, wieder auf meine innere Stimme zu hören." Im Nachhinein sehe er es nicht als Schwäche, dass er den Profisport damals an den Nagel gehängt habe. Vielmehr habe er den Mut aufbringen müssen, seinen eigenen Weg zu gehen.

Auf das Bauchgefühl hören

Das rät Hannawald, der seine Erfahrungen in dem 2013 erschienen Buch "Mein Höhenflug, mein Absturz, meine Landung im Leben" festgehalten hat, auch allen anderen, die sich in einer Krisensituation befinden. "Überall wird heute ein ,normales Leben' vorgelebt, dem man nacheifern will, obwohl man so innerlich vielleicht gar nicht fühlt." Hannawald spricht sich dafür aus, mehr auf sein eigenes Bauchgefühl zu achten - und kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man mal nein sagt.

Ja sagte der Ex-Skispringer, der sich im Motorsport eine zweite Karriere aufgebaut hat, sofort, als er gefragt wurde, ob er die Schirmherrschaft für den 7. Regensburger Intensiv-Pflegetag übernehmen möchte. Mehr als 350 Pflegekräfte aus ganz Deutschland trafen sich am Donnerstag am Uniklinikum, um sich rund um das Thema "Wie aus Krisen Chancen werden" auszutauschen. "Neben den Krisen, die Patienten und Angehörige auf der Intensivstation erleben, gibt es auch für die Mitarbeiter täglich Herausforderungen zu bestehen", erklärte Thomas Bonkowski, Vorsitzender des Vereins für Freunde und Förderer der Pflege am Uniklinikum.

Der medizinische Fortschritt habe die Intensivmedizin stark verändert, sagte Professor Thomas Bein, Leiter der operativen Intensivstation. "Heute können wir Unfallpatienten helfen, die wir vor 20 Jahren nicht hätten retten können." Die Hochleistungsmedizin wecke bei den Angehörigen Hoffnung, verstärke für Ärzte und Pfleger aber auch den Druck. Dennoch würden viele Kollegen gerne und über lange Jahre als Intensivpfleger arbeiten, berichtete stellvertretender Pflegedirektor Tony Ebeling. "Neben der krisenbehafteten Arbeit sehen sie die großen Erfolge, die wir immer wieder erreichen."
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