Transparenz durch Externen

Generalvikar Michael Fuchs, Domkapellmeister Roland Büchner, Rechtsanwalt Ulrich Weber und Günther Perottoni vom Weißen Ring (von links) wollen Licht in die Missbrauchsfälle bringen. Bild: wbr
Archiv
Regensburg
28.04.2015
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Die Fälle von Misshandlung und sexuellem Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen werden ab jetzt von einem unabhängigen Fachmann untersucht. In einem Jahr soll ein öffentlicher Bericht vorliegen.

Unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte werden dann auch Zahlen genannt. Der Regensburger Rechtsanwalt Ulrich Weber wurde dem Bistum vom Weißen Ring vorgeschlagen, wie der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs am Montag mitteilte. Ziel sei, "mit Blick auf die zurückliegenden Fälle mehr Glaubwürdigkeit zu gewinnen", sagte Fuchs: "Uns geht es um Aufarbeitung und Prävention!"

Die Diözese Regensburg war seit 2010 intensiv mit der Aufarbeitung von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs sowie der Körperverletzung in kirchlichen Einrichtungen beschäftigt. Die Zahl der Missbrauchsgeschädigten wird mit 72 angegeben. In Etterzhausen und Pielenhofen kam es von den 50er bis 90er Jahren wiederholt zu schweren körperlichen Züchtigungen bei den Domspatzen. Als "symbolische Anerkennung des Leids" erhielten sie inzwischen jeweils 2500 Euro. Zudem werden die Kosten für notwendige Therapien übernommen.

Webers erster Schritt sei, mit den Opfern ins Gespräch zu kommen. Der Jurist will einen Beratungskreis aus Fachleuten einsetzen und alle verfügbaren Unterlagen sichten, auch als "Geheimarchiv" bezeichnete Akten beim Generalvikar. Der Abschlussbericht solle "anonymisiert der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden", kündigte Weber an.

Professionell aufarbeiten

"Dass wir die Vorwürfe unabhängig untersuchen zu lassen, sind wir den Geschädigten schuldig", sagte Generalvikar Fuchs. In der Bistumsleitung und bei den Domspatzen hoffe man, "mehr Vertrauen gewinnen zu können". Ziel sei es auch zu prüfen, ob die Diözese bei der Aufarbeitung korrekt gehandelt habe, ergänzte Fuchs. "Wir hoffen, dass die Professionalität des Weißen Rings uns hilft, besser mit der Vergangenheit umzugehen." Die Diözese habe seit 2010 sehr viel lernen müssen, fügte der Generalvikar an. Die meisten Fälle seien erst danach richtig aufgearbeitet worden.

Domkapellmeister Roland Büchner, der Vorstandsvorsitzender der Stiftung Regensburger Domspatzen ist, bat alle Opfer um Entschuldigung. Jeder einzelne Fall habe den Chor "im Innersten berührt, zutiefst erschüttert und sprachlos gemacht". Die Entschuldigung gegenüber allen Opfern von Missbräuchen und Misshandlungen in Einrichtungen der Domspatzen "wiederhole ich in tiefer Erschütterung und Scham!"

Bei den Domspatzen gibt es einen Arbeitskreis Prävention, in dem für das Thema sensibilisiert wird. Zudem sei ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis für alle Mitarbeiter sowie eine Fortbildung zur Prävention sexualisierter Gewalt verpflichtend.

Der aus Weiden stammende Weber betonte, dass ihm von Bistumsleitung und Domspatzen-Geschäftsführung für sein Rechercheprojekt "absolute Freiheit und Nichteinmischung zugesagt" worden seien. Wenn das anders läuft, sei sein Job beendet, stellte er klar. "Mein Ziel ist es, Transparenz zu schaffen, strukturelle Defizite im Umgang mit Missbrauchsfällen aufzuzeigen und die Präventionsarbeit zu verbessern", betonte Weber.
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