Trauer um beliebten Oberhirten

Der frühere Regensburger Bischof Manfred Müller lebte zuletzt im Mallersdorfer Kloster in Niederbayern. Bild: dpa
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Regensburg
21.05.2015
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Die Diözese Regensburg trauert um Manfred Müller. Der Altbischof verstarb am Mittwoch im Alter von 88 Jahren. 20 Jahre war Manfred Müller Oberhirte von Regensburg. Er galt als Vertreter einer eher liberalen Linie, war sehr volksnah und beliebt.

Manfred Müller war bis 2002 Vor-Vorgänger von Bischof Rudolf Voderholzer. Nach seiner Emeritierung lebte Müller zurückgezogen im niederbayerischen Kloster Mallersdorf.

Der gebürtige Augsburger wurde 1952 zum Priester geweiht und war zunächst 16 Jahre Religionslehrer. 1972 wurde er in seinem Heimatbistum Augsburg Weihbischof. Zeitlebens engagierte sich "Schulbischof" Müller national und international in leitenden Positionen für das katholische Schulwesen.

Wertebezogene Schulen

In der Deutschen Bischofskonferenz bekleidete Bischof Manfred Müller das Amt des Vorsitzenden der Kommission für Erziehung und Schule. Intensiv setzte Müller sich für die wertebezogene und -beständige Schule ein: "Da ihr das Kostbarste anvertraut ist, was eine Gesellschaft besitzt, nämlich die nachwachsende Generation, kann sie nie gut genug sein und muss sich ständig verbessern", sagte er auf dem II. Bundeskongress Katholischer Schulen am 11. Mai 2001. In Regensburg trägt seit diesem Jahr eine katholische Grund- und Mittelschule seinen Namen. Für ihre Gründung wendete der Bischof mehr als 100 000 Euro aus seinem Privatvermögen auf. In seiner Amtszeit galt Müller, dessen Wahlspruch "Die Wahrheit in Liebe verkünden" lautete, als Mann des Ausgleichs. So steuerte er im Streit um die atomare Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf in den 1980er Jahren einen neutralen Kurs zwischen Befürwortern und Gegnern der Kernkraft.

Besonders seit dem Ende der europäischen Teilung forcierte der Bischof den Austausch mit den tschechischen Nachbarbistümern. Zur Familie des emeritierten Papstes Benedikt XVI. unterhielt Müller eine enge Verbindung. Joseph Ratzinger und seine Geschwister verbrachten mit ihm früher regelmäßig den Silvesterabend. Kardinal Ratzinger hatte im Mai 1997 bei seiner Festpredigt zum dessen 25-jährigen Priesterjubiläum Bischof Manfred als Hirten bezeichnet, der "die verschiedenen Strömungen zusammenführt, dass Einheit werde, dass sie zu dem einen lebendigen große Strom der lebendigen Kirche werden."

"Dramatischer Wandel"

Vor dem Hintergrund der damals beginnenden Diskussion um den Ausstieg der Kirche aus bestimmten Formen der Schwangerenberatung, dem Anstieg der Kirchenaustritte und der Kürzung der Professorenstellen für Theologie an den bayerischen Hochschulen sowie den rückläufigen Zahlen der Priesteramtskandidaten hatte er Müllers Bemühungen gewürdigt. Bischof Manfred hingegen sprach bei diesem Anlass von "einem dramatischen Wandel bei der Vermittlung des Glaubens" seit seinen Jugend- und frühen Priesterjahren. Müller bedauerte den Fortfall der früheren Selbstverständlichkeit bei der Weitergabe in Familie, in Schulen, in Verbänden. Das ehedem intakte katholische Milieu gebe es so nicht mehr.

Früh hatte der gelernte Pädagoge Müller erkannt, dass Regensburg nach dem wissenschaftlich strengen Bischof Rudolf Graber einen Kirchenmann zum Anfassen braucht. Die Regensburger erinnern sich gern an den freundlich lächelnden Herrn mit der schwarzen Strickweste und dem betagten schwarzen Alcantara-Sakko. Zu Theater- und Opernpremieren eilte er stets zu Fuß vom Ordinariat zum Musentempel am anderen Ende der Altstadt. Sein damaliger Bischofssekretär Thomas Zinecker kam als obligatorischer Begleiter regelmäßig in den Genuss von Goethe-Dramen. Seine Mitarbeiter sprachen respektvoll, aber stets angstfrei über ihren "Chef". "Unser Bischof füllt sein Amt würdig aus, ohne jemals amtlich zu sein", sagte ein enger Mitarbeiter über den Diözesanbischof.
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