"Unnütze Esser" getötet

Eine Gedenktafel erinnert an die Morde aus der NS-Zeit. Bild: ehi
Archiv
Regensburg
07.10.2015
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Ab Ende 1940 wurden 641 Patienten aus der damaligen Heil-und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll nach Hartheim bei Linz gebracht und dort getötet. Eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel "Erinnern. Nicht vergessen" soll an die Opfer der Krankenmordaktion der Nazis erinnern.

Am 4. November jährt sich die erste Deportation von Patienten aus der damaligen Pflegeanstalt - der heutigen Medbo (Medizinische Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz) - zum 75. Mal. Zum Gedenken haben deswegen Bezirk, Medbo und Stadt Regensburg mit der Volkshochschule Regensburg, dem Evangelischem Bildungswerk und der Katholischen Erwachsenenbildung eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel "Erinnern. Nicht vergessen" ins Leben gerufen.

Verantwortung um Wissen

"Tragen wir noch Verantwortung für diese Ereignisse? Sicherlich nicht persönlich, aber wir tragen Verantwortung dafür, wie wir mit diesen Ereignissen umgehen", erklärte Bezirkstagspräsident Franz Löffler die Notwendigkeit der Veranstaltungsreihe. Es gehe darum, das Vergessen zu verhindern, denn das Wissen um die Vergangenheit sei eine Chance für die Menschen, die Gegenwart und die Zukunft anders zu gestalten.

Die 641 Patienten waren Opfer von Hitlers Krankenmordaktion unter dem Decknamen "T4", durch die 70 273 Menschen ums Leben kamen. Durch den sogenannten "Hungerkost-Erlass" das Bayerischen Staatsministeriums des Inneren 1942 verhungerten in Karthaus-Prüll weitere 950 Menschen. "Dem nationalsozialistischen Regime ging es um die gezielte Vernichtung von psychisch Kranken und Menschen mit Behinderung, die nach der NS-Herrenmenschenideologie zu keiner produktiven Arbeitsleistung mehr fähig waren", erläuterte Löffler. So genannte "Unnütze Esser", seien gezielt ermordet worden.

"War mir nicht bewusst"

Die Medbo selbst kämpfe seit Jahrzehnten dafür, dass psychische Erkrankungen als Teil des Menschseins von der Gesellschaft angenommen werden. Das Verständnis für diese Menschen steige erst seit den letzten Jahren ganz allmählich. "Was das Geschehen vor der eigenen Haustür betrifft, war mir das bisher gar nicht bewusst", erklärte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Es sei wichtig aus der Vergangenheit zu lernen, dass so etwas nicht noch einmal passieren darf - gerade heute, in einer Welt, in der es immer noch Völkermorde gibt.
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