Vatikan räumt „Unregelmäßigkeiten“ ein [Aktualisierung]
Finanzermittler in Kardinal Müllers Büros

Bild: Piehler (Archiv)
Archiv
Regensburg
09.12.2015
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In den Diensträumen des Kurienkardinals Gerhard Ludwig Müller in Rom hat es einem Medienbericht zufolge eine Razzia gegeben. 20.000 Euro Bargeld sollen beschlagnahmt worden sein. In Regensburg, wo Müller bis 2012 Bischof war, schlug die Nachricht am Mittwoch hohe Wellen. Der Vatikan weist eine Verwicklung Müllers zurück.

Einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge hatte sich Kardinal Müller, Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, geweigert, Unterlagen auszuhändigen, die der päpstliche Generalbuchprüfer im Frühjahr angefordert hatte. Daraufhin seien Fahnder zur Hausdurchsuchung in den Diensträumen des Kardinals angerückt.

Dabei hätten sie in einer Schublade, hinter einer alten Dose Wiener Würstchen, einen Stapel Bargeld in Höhe von etwa 20.000 Euro gefunden – und beschlagnahmt. Das Geld stamme aus Gebühren, die der Vatikan weltweit aus Bistümern für die Untersuchung von Fällen sexuellen Missbrauchs bezieht, schreibt das Blatt. Es stehe der Verdacht, dass das Geld für private und dienstliche Anschaffungen des Kardinals verwendet wurde. Die Vatikanbehörden würden gegen Müller ermitteln.

Gegen ihn werde nicht ermittelt, erklärte hingegen Müller selbst am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Rom. Entschieden dementierte der drittmächtigste Mann im Vatikan, Gebühren für die Untersuchungen von Missbrauchsfällen seien für private Anschaffungen verwandt worden. Ebenso falsch sei, dass er der vatikanischen Buchhaltung die Akteneinsicht verweigert habe. Müller sagte, Unregelmäßigkeiten im Verwaltungsbereich seiner Behörde seien bereits vor einem halben Jahr geklärt worden. Damals sei der frühere Finanzbuchhalter mit einer anderen Aufgabe betreut worden.

Richtig sei, dass für die Aufgaben in der Ehe- und Disziplinarabteilung seiner Kongregation von den Diözesen ein Beitrag erbeten werde. Dieser fließe jedoch stets und vollständig in den Gesamthaushalt der Kongregation ein. Auch Vatikansprecher Federico Lombardi wies die Vorwürfe zurück. Im Zuge regulärer vatikaninterner Kontrollen seien zwar vor geraumer Zeit „Unregelmäßigkeiten“ in der Finanzverwaltung der Glaubenskongregation festgestellt worden.

Daraufhin habe man jedoch schon vor sechs Monaten Gegenmaßnahmen ergriffen. „Die Oberen der Behörde, insbesondere Kardinal Müller, der fälschlicherweise in dem fraglichen Artikel angeführt wird, haben mit dieser Angelegenheit nichts zu tun“, heißt es in Lombardis Erklärung.

Im Bistum Regensburg, wo Müller in seinen zehn Jahren als Bischof oft polarisierte, fielen die Reaktionen unterschiedlich aus. „Sollte es sich herausstellen, dass es bei ihm in der Glaubenskongregation schwarze Kassen in der Größenordnung von 20.000 Euro gibt, dann verdient ein solcher Missbrauch jede Gerechtigkeit - nämlich, dass er sofort aus seinem Amt als Präfekt der Glaubenskongregation entlassen wird“, erklärte Johannes Grabmeier, Vorsitzender der Laienverantwortung Regensburg. Angesichts der „Richtungskämpfe und Intrigen im Vatikan“ wünsche er Müller, dass bei den Untersuchungen „nicht mit der gleichen unerbittlichen Härte gegen ihn vorgegangen wird, wie er selbst es mit seinen Kritikern immer gemacht hat“.

Albert Schmid, Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern und langjähriger Vertrauter von Kardinal Müller, wollte am Mittwoch am Telefon keine Erklärung zu den Vorwürfen abgeben. Nur so viel: „Sie hören, ich bin gelassen.“ Ob er Müller eine solche Vorgehensweise zutraut? „Natürlich nicht.“ Auch zu Spekulationen, dass bei Kardinal Müller, der vielen als konservativer Gegenpol zu Papst Franziskus gilt, besonders genau hingeschaut wird, wollte Schmid sich nicht äußern.
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