Viel mehr Schüler als gedacht

Weil immer mehr junge Asylbewerber in bayerischen Berufsschulen (hier die Europa-Berufsschule in Weiden) für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden, stoßen die Lehrer an ihre Belastungsgrenzen. Archivbild: Hartl
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Regensburg
09.07.2015
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Das Kultusministerium reagiert auf den Weckruf der Lehrer. Weil unerwartet viele Flüchtlinge nach Bayern kommen, sind die Berufsschulen überlastet. Die Politik räumt aber auch einen Planungsfehler ein.

In einem offenen Brief hatte der Verband der Lehrer an beruflichen Schulen in Bayern (VLB) gewarnt, die Unterrichtsversorgung an beruflichen Schulen sei "katastrophal" (wir berichteten). Der Adressat des Briefs, Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), meldete sich dazu am Mittwoch zu Wort. Der Minister nehme den Brief sehr ernst, sagte dessen Sprecher Ludwig Unger unserer Zeitung. In einer schriftlichen Mitteilung räumt Spaenle ein, dass im laufenden Schuljahr an den beruflichen Schulen mehr Schüler unterrichtet wurden als man im vergangenen Jahr prognostiziert hatte.

"Erhebliche Belastung"

Unger führt die entstandenen Engpässe maßgeblich auf den Zustrom junger Flüchtlinge und Asylbewerber zurück, die in einem Sonderprogramm zwei Jahre lang an den Berufsschulen Sprachunterricht und eine Berufsvorbereitung erhalten. Er sagt, dass derzeit 4500 Flüchtlinge dieses Programm in Bayern nutzen - allein in diesem Jahr seien das 260 Klassen an den Berufsschulen. "Ich verstehe, dass das eine erhebliche Belastung für Berufsschulen ist, die sich durch die unerwartet hohe Schüleranzahl herausgefordert und vielleicht auch bedrängt fühlen."

"Es gibt Engpässe"

Besonders in der Oberpfalz übertraf die Anzahl der Schüler alle Prognosen. Walter Schütz, Sachgebietsleiter für Berufsschulen bei der Regierung der Oberpfalz, bestätigt: "Es gibt Engpässe." Keiner habe vorhersagen können, dass die Zahl der berufsschulpflichtigen Asylbewerber so ansteige. Er bestätigt aber den Vorwurf des VLB, dass es zu wenig Planstellen gebe, zumindest für die Oberpfalz nicht. Im Gegenteil: "Einige der Planstellen für Lehrkräfte im technischen Bereich in der Oberpfalz haben nicht besetzt werden können, da es zu wenig Bewerber gegeben hat." Auch die Oberpfälzer Berufsschulleiter Josef Weilhammer (Weiden) und Wolgang Eckstein (Wiesau) beklagen auf Nachfrage unserer Zeitung Raum- und Organisationsschwierigkeiten, aber sie meisterten die Herausforderung nach besten Kräften. Beide betonen, die Flüchtlinge und Asylbewerber seien auf dem Arbeitsmarkt eine Bereicherung und keine Belastung. "Bayern sieht da eine echte Chance, die vielen unbesetzten Lehrstellen in den bayerischen Betrieben zu füllen", pflichtet ihnen Unger bei.

Das Bildungsministerium rechnet laut Mitteilung damit, dass die Schülerzahlen in den Berufsschulen im kommenden Schuljahr noch weiter steigen. Deshalb plane Spaenle einen Nachtragshaushalt, um die Überlastungssituation auszugleichen, erläutert Unger. Ob ausreichend zusätzliche Mittel genehmigt werden, sei noch nicht sicher, und er verspreche "kein Paradies". Aber Bayern liege es am Herzen, eine bessere Versorgungssituation für die Flüchtlinge zu schaffen als andere Bundesländer, die nur "liebevoll Zelte aufstellen".

Sonderprogramm statt Zelt

Jedoch seien die Schulen angewiesen, sich bei der Einstellung von nebenberuflichen Lehrkräften strenger am Bedarf zu orientieren, betont der Pressesprecher. Walter Schütz von der Regierung der Oberpfalz schließt nicht aus, dass es deshalb zu Kürzungen der Unterrichtsstunden in Nebenfächern wie Religion und Sport kommen kann, um den Pflichtunterricht zu gewährleisten. "Zudem laufen Sonderprogramme, damit Fachkräfte ohne Lehramtsstudium als Quereinsteiger in der Berufsschule zugelassen und auch verbeamtet werden können."

Doch bis all das Wirkung zeigt, könnte es noch eine Zeit dauern. "Die Entscheidungen können nicht immer in der Schnelligkeit getroffen werden, wie Schüler nachkommen", sagt Unger.
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