Wehwehchen einfach wegkicken

Keine Frage des Alters: Der harte Kern der "Best-Age-Gruppe" trainiert auch nach Abschluss der Studie weiter. Denn: Karate hält körperlich und geistig beweglich. Bild: Gibbs
Archiv
Regensburg
13.10.2014
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Regensburger Forscher untersuchen den Einfluss von Karate auf die Gesundheit. Das Ergebnis schlägt ein: Senioren fühlen sich beweglicher. Ihre Stimmung steigt.

Mit Karate hatte Rosa Schindlbeck vor ihrem 80. Lebensjahr nichts am Hut. Dann wurde die rüstige Regensburgerin von ihrem Hausarzt angesprochen, ob sie an einem Forschungsprojekt der Uni Regensburg teilnehmen möchte. Kurz darauf fand sie sich in einer zwölfköpfigen "Best-Age-Gruppe" mit Teilnehmern zwischen 76 und 84 Jahren wieder.

Ein halbes Jahr lang trafen sich die Senioren einmal pro Woche mit Trainerin Steffi Nagl, um neue Schritte und Bewegungsabfolgen zu lernen. Vor und nach dieser Phase wurden sie von den Forschern zu Tests gebeten: Ihre körperliche Fitness sowie ihre kognitiven Fähigkeiten wurden untersucht. Das Ergebnis: Das Karatetraining verbesserte die Gesundheit der Teilnehmer insgesamt eindeutig. Gegenüber zwei Kontrollgruppen schnitt die Karategruppe am besten ab. Rosa Schindbecks persönlicher Eindruck bestätigte das Forschungsresultat: "Ich habe gemerkt, dass ich mich im Alltag wieder besser bewegen kann. Und aufs Gemüt wirkt es sich auch positiv aus."

Frauen bleiben am Ball

Das Forschungsprojekt begann vor drei Jahren, der harte Kern - sieben Damen - trainiert immer noch jede Woche fleißig. "Die Männer sind abgesprungen, aber wir Frauen machen weiter", erzählte Rosa Schindlbeck, heute 84. Dass sie so viel Freude am Karate hat, überzeugte auch ihre Familie, die sich anfangs schon gefragt hatte, "was ich auf meine alten Tage noch für Sachen mache". Die positiven gesundheitlichen Auswirkungen erklärt sich die Regensburgerin so: "Beim Karate muss man alle fünf Sinne beisammen haben und sich voll konzentrieren." Aus wissenschaftlicher Sicht kommen Professorin Petra Jansen (Institut für Sportwissenschaften) und Dr. Katharina Dahmen-Zimmer (Institut für Psychologie) von der Uni Regensburg zu ähnlichen Antworten. Sie haben zusammen mit dem "Deutschen Karate Verband" (DKV) mittlerweile eine weitere Karatestudie mit 55 Teilnehmern im Durchschnittsalter von 63 Jahren abgehalten, deren Ergebnisse sie nun vorstellten. In diesem Alter, im "Endspurt" vor der Rente, würden Menschen oftmals zu Erschöpfungszuständen und depressiven Verstimmungen neigen, erklärten die Forscherinnen ihre Auswahl.

Kaum etwas wirkt besser

Die Gruppe nahm acht Wochen lang an einem Karatetraining teil, das vom DKV-Präsidenten Wolfgang Weigert geleitet wurde. Untersuchungen ergaben: Sowohl die psychische Gesundheit als auch die kognitive Leistungsgeschwindigkeit der Karategruppe verbesserte sich deutlich. Ängstliche und depressive Gefühle gingen zurück.

Weder eine Kontrollgruppe, die im gleichen Zeitraum ein "Achtsamkeits-Training" absolvierte, noch eine Kontrollgruppe ohne spezielles Training konnte mit den Ergebnissen der Karatesportler mithalten.
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