Wettlauf gegen die Zeit

Mit Moderator Roman Roell vom Bayerischen Rundfunk diskutierten unter anderem (von links) Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU), Sebastian Lange (Rettungsdienstleiter des BRK Regensburg), Prof. Michael Nerlich (Direktor der Klinik für Unfallchirurgie an der Uniklinik Regensburg) und Dr. Christian Schwarz (Leiter der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried). Bild: ehi
Archiv
Regensburg
10.11.2015
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Bei der Versorgung von Verletzten eines Verkehrsunfalls zählen oft Sekunden. Es ist wichtig, dass die Rettungskette und das Zusammenspiel aller beteiligten Hilfskräfte möglichst reibungslos funktioniert.

Deswegen stand dieses Thema im Mittelpunkt der vierten Bayerischen Verkehrssicherheitskonferenz von Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU). Gemeinsam mit Vertretern von Feuerwehren, Rettungsdiensten und Unfallforschung diskutierte er unter dem Motto "Rettungskette - gemeinsam Leben retten" am Regensburger Uniklinikum darüber, was in ganz Bayern bei der Erstversorgung von Unfallopfern verbessert werden kann. Grundsätzlich, da waren sich alle Konferenzteilnehmer einig, sei Bayern im Bereich der Rettung und Versorgung von Unfallopfern schon sehr gut aufgestellt. Trotzdem gebe es aber einige Punkte, in denen Verbesserungsbedarf bestehe.

Ein Aspekt, der immer wieder angesprochen wurde, war die Kommunikation der verschiedenen Einsatzkräfte untereinander. "Wir müssen alle vom selben reden", erläuterte Dr. Christian Schwarz, Leiter der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried. So gebe es zum Beispiel verschiedene Formen der Rettung - sofort, schnell oder schonend. Nur, wenn alle Beteiligten wüssten, um was es dabei gehe, könne der Einsatz wirklich optimal ablaufen.

Mehr Verständnis nötig

Aus diesem Grund wäre es laut Schwarz gut, wenn auch die Ausbildung der Einsatzkräfte interdisziplinär gestaltet werde. "Dann reden alle vom gleichen und haben vielleicht auch mehr Verständnis für die Situation des jeweils anderen." Ebenfalls zu schaffen mache der Feuerwehr die immer modernere Ausstattung der Fahrzeuge. So sei für die Einsatzkräfte meist nicht auf den ersten Blick zu erkennen, wo in einem Unfallwagen die Airbags eingebaut seien, oder um was für einen Antriebstyp es sich handle - beides wichtige Infos für die richtige Bergungsmaßnahme. Auch hier wäre eine einheitliche Maßnahme sinnvoll, die es den Einsatzkräften schnell und unkompliziert ermöglicht, alle wichtigen Fahrzeugdaten abzufragen.

Sebastian Lange, Leiter Rettungsdienst im BRK-Kreisverband Regensburg, ergänzte, dass die Bekanntheit der europaweiten Notrufnummer 112 weiter optimiert werden müsse. Ebenso müsste weiter an der Vernetzung der Rettungswägen mit den Integrierten Leitstellen und den Krankenhäusern gearbeitet werden.

So sei es zum Beispiel für alle Beteiligten von Vorteil, wenn Patientendaten direkt vom Rettungswagen an die Leitstelle oder die Klinik geschickt werden könnten. Dies sei jedoch momentan aus zum Teil technischen aber auch finanziellen Gründen nicht umsetzbar. Grundsätzlich würden sich dadurch aber die Kommunikation und der Informationsaustausch zwischen den beteiligten Stellen vereinfachen und beschleunigen. Das wiederum hätte eine noch bessere Versorgung der Patienten zur Folge, erklärte Lange.

Zahl der Opfer senken

Wie wichtig das Thema Verkehrssicherheit allgemein ist, unterstrich der Minister mit einigen Zahlen. So habe es in Bayern im Jahr 2011 insgesamt 780 Verkehrstote gewesen - 2014 seien es dann nur noch 619 gewesen, was allerdings "immer noch viel zu viele" seien, wie Herrmann betonte. "Es gibt nahezu keinen anderen technischen Bereich in unserem Leben, wo wir uns mit einer so hohen Todesfallquote abfinden wie im Verkehrsbereich", verdeutlichte er die Brisanz. Deswegen sei eines der Ziele des aktuellen Verkehrssicherheitsprogramm 2020 "Bayern mobil - sicher ans Ziel", die Zahl der Verkehrstoten weiter zu senken. Im Vergleich zu 2011 soll sie bis 2020 um 30 Prozent auf unter 550 fallen.
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