"Wir sind brechend voll"

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Regensburg
19.02.2015
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Die Plätze für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in der bayerischen Jugendhilfe reichen nicht aus. "Wir sind brechend voll", sagt der Leiter des Kinderzentrums Sankt Vincent in Regensburg.

"Wenn jetzt heute zehn Jugendliche kommen würden, wüssten wir nicht wohin mit ihnen", sagte Wolfgang Berg am Dienstag. Das in Bayern aufgebaute System mit zentralen Aufnahmestellen in jedem Bezirk funktioniere sehr gut, lediglich die Kapazitäten müssten ausgebaut werden. "Wir freien Träger in Bayern werden dieses Jahr mindestens noch brauchen, um so viele Plätze wie gefordert zu schaffen", erklärte der Leiter der Jugendhilfeeinrichtung, im Fachjargon eine Inobhutnahmestelle für junge Flüchtlinge in der Oberpfalz.

Der von der bayerischen Staatsregierung angestrebte bundesweite Verteilungsschlüssel für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sei grundsätzlich richtig, sagte Berg weiter. Das Kindeswohl müsse jedoch Priorität haben. "Ein technisch errechneter Verteilungsschlüssel gibt einem vielleicht nicht mehr in jeder Situation die Freiheit, das immer gewährleisten zu können."

Bleiberecht für Ausbildung

Rechtliche Probleme bereite vor allem der Duldungsstatus, so der Sozialarbeiter. Auch während der Ausbildung könnten die jungen Flüchtlinge "jederzeit abgeschoben werden". Der Bundesrat plädierte vergangene Woche dafür, jungen Flüchtlingen für die Dauer einer Berufsausbildung ein Bleiberecht zu gewähren. "Das begrüßen wir sehr", sagte Berg.

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) kritisierte dagegen diese Initiative. Ein solches Bleiberecht könnte sich blitzschnell herumsprechen und Menschen nach Deutschland bringen, die sich darauf berufen wollten, sagte der Minister am Sonntag im Deutschlandfunk. Berg bewertete das Zusammenleben der jungen Flüchtlinge mit deutschen Kindern und Jugendlichen in seinem Haus positiv. "Die Motivation der Flüchtlinge steckt an", betonte der Sozialpädagoge. "Die Integration beginnt, wenn die bei der Tür rausgehen, also im Alltag und nicht nur bei speziellen Förderungen."
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