Wo Röcke und Beine fliegen

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Regensburg
27.10.2014
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Die europäische Boogie-Woogie-Elite misst sich im Regensburger Audimax. Ein Oberpfälzer Paar erfüllt sich einen Traum.

Der Style der 50er Jahre gab am Samstag im Audimax der Uni Regensburg den Takt vor: Frauen in kurzen Kleidern und Männer mit Fliege tanzten in atemberaubender Geschwindigkeit über die Bühne. Die Teilnehmer an der Boogie-Woogie-Europameisterschaft mussten reaktionsschnell sein: Ein Zufallsgenerator spuckte die Musikstücke aus.

200 Steps in der Minute

Der durchschnittlich bewegliche Zuschauer konnte sich nur die Augen reiben: Mehr als 200 Fußbewegungen schaffen die besten Boogie-Woogie-Tanzpaare pro Minute. Und es waren die besten Paare Europas aus 15 Nationen, die sich am Samstag in Regensburg trafen. An Land gezogen hatten die Großveranstaltung die 2002 gegründeten Boogie-Babies Bruck/Bodenwöhr. Ihr Konzept kam beim Weltverband so gut an, dass der Oberpfälzer Verein vor einem Jahr den Zuschlag bekam, die EM auszutragen. Seitdem hat das 15-köpfige Organisationsteam jede freie Minute in die Vorbereitung gesteckt. Es hat sich gelohnt: "Alles läuft wie am Schnürchen", freute sich Peter Pötzinger, Sprecher der Boogie-Babies.

Die Stimmung unter den über 1000 Zuschauern war prächtig, die Kulisse im Audimax passte. "Sonst finden die Meisterschaften in Turnhallen statt, das hier ist einzigartig", erklärte Pötzinger. Auch unter den rund 80 Tanzpaaren herrschte trotz aller Konkurrenz große Harmonie, wie Karin Piecha-Schollmaier ergänzte. "Sie treffen sich regelmäßig auf internationalen Turnieren." Auf der Bühne ging es derweil heiß her: Mit irrwitzig schnellen Schritten, Drehungen, Hebefiguren und teils schrägen Einlagen versuchten die Paare, die sieben Wertungsrichter zu überzeugen.

Bewertet wurden unter anderem die Schritttechnik, die Paarharmonie, die Vielseitigkeit und die Ausführung der Figuren. Wichtig ist, wie schnell sich die Paare auf das jeweilige Musikstück einstellen können. Denn eine eingeübte Choreografie gibt es nicht. Ein Zufallsgenerator entscheidet über das nächste Musikstück, das Paar muss sich innerhalb von Sekunden darauf einstellen. Damit das Ganze trotzdem harmonisch aussieht, gilt eine klare Regel. "Der Herr führt, er gibt vor, wann das Paar welches Element bringt", erklärte Pötzinger.

Um bei internationalen Boogie-Woogie-Turnieren mithalten zu können, liegt der Trainingsaufwand auf Leistungssport-Niveau. Vor den Meisterschaften wird täglich geprobt. Auch wenn ein Auftritt nur 98 Sekunden dauert, müssen die Paare eine außerordentliche Fitness mitbringen, um das extreme Tempo durchzuhalten. Und die besten Paare durchliefen am Samstag mehrere Runden: Von den Vorrunden über Viertel- und Halbfinale bis zum Finale am Abend.

Beste Deutsche aus Bruck

Am Ende regnete es Pokale und Medaillen für die besten Teilnehmer. Den bisher größten Erfolg ihrer Karriere feierte ein Oberpfälzer Paar: Johannes Hien und Kerstin Engel von den Boogie-Babies Bruck/Bodenwöhr schafften es ins Halbfinale der Hauptklasse und belegten als bestes deutsches Paar den 12. Platz. "Für uns ist ein Traum in Erfüllung gegangen", sagten sie. Ein respektables Ergebnis erzielte das zweite Paar der Boogie-Babies, Max Seidl und Anette Seidl: Sie landeten in der Seniorenklasse auf dem 15. Platz.
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