Zahntechniker wegen banden- und gewerbsmäßen Betrugs angeklagt
Geschäfte mit "alten Meistern"

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Regensburg
28.11.2015
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(ahs) Ein Zahntechnikermeister (62) aus Straubing soll gefälschte Gemälde von Künstlern wie Marc Chagall und Pablo Picasso verkauft haben. Wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs in neun Fällen muss sich der Mann seit Freitag vor dem Landgericht Regensburg verantworten. Vorgesehen sind vier Prozesstage bis Mitte Dezember.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Niederbayer im April 2012 wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs in 16 Fällen angeklagt, wobei sie von einem Schaden von über einer Million Euro ausging. Nachdem das Landgericht Regensburg die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt hatte, wurden die Vorwürfe auf neun Fälle mit einem Schaden von 577 000 Euro reduziert. Seit Freitag verhandelt die 7. Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Bettina Mielke.

Auf den Angeklagten aufmerksam geworden waren die Fahnder 2009 durch ein Rechtshilfeersuchen ihrer Kollegen in Tschechien. Diese führten ein Ermittlungsverfahren gegen eine Malerin und einen Mann, der mit gefälschten Gemälden handelte. Bei diesem war der Angeklagte als Kunde registriert. Daraufhin wurde sein Telefon überwacht, er observiert. Bei seiner Einreise von Tschechien wurde er kontrolliert. Er führte elf Gemälde mit sich, die er auf einem Flohmarkt gekauft haben will. Daraufhin setzte das Landeskriminalamt in München einen verdeckten Ermittler auf ihn an.

Einer Kunstfälscherin soll der 62-Jährige den Auftrag gegeben haben, die Bilder zu malen. Ein Dritter trimmte sie auf "alt". Der Angeklagte soll sie im In- und Ausland zum Kauf angeboten haben. Den Handel betrieb er von seiner Straubinger Wohnung aus, die im September 2010 durchsucht wurde. Vor der Strafkammer erklärte der Angeklagte, dass die Vorwürfe nicht nachvollziehbar seien. Er sei seit 50 Jahren Sammler und würde selbst malen.

Um die Jahrtausendwende habe er erstmals Kontakt zu dem Händler aus Tschechien gehabt und von ihm Bilder für jeweils 6000 Dollar gekauft, weil sie ihm gefallen haben. Die Künstlerin habe er nie kennengelernt. 2002 habe er einem Labor den Auftrag für eine Expertise gegeben. Die Analyse: positiv. Dies bedeute nicht, dass es sich um Originale handelt, sondern, dass sie "alt und gut" sind. 48 Analysen habe er erstellen lassen. Seinen Kunden gegenüber habe er nie von Originalen gesprochen, sondern - wie auch in den Verträgen vermerkt - "Bilder wie gesehen und ohne Garantie" verkauft. Wie wäre es erklärbar, wenn er ein Bild für 15 000 Euro verkauft, das als Original drei Millionen Euro wert sei.

Die Sachbearbeiterin des Landeskriminalamtes berichtete als Zeugin, dass der Angeklagte in seiner Beschuldigtenvernehmung eingeräumt habe, die Bilder als Originale verkauft zu haben. Dabei habe er erzählt, dass es sich um echte Kriegsbeutekunst handle, die aus dem Nachlass des Vaters eines Freundes stammen.
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