Zahntechniker wegen banden- und gewerbsmäßen Betrugs angeklagt
Lukrative Geschäfte mit „alten Meistern“

Symbolbild: dpa
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Regensburg
27.11.2015
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Straubing/Regensburg. (ahs) Einen Zahntechnikermeister (62) aus Straubing hatte die Staatsanwaltschaft bereits im April 2012 wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs in 16 Fällen angeklagt, wobei sie von einem Schaden von über einer Million Euro ausging. Nachdem das Landgericht Regensburg die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt hatte wurden die Vorwürfe im Anklagesatz auf neun Fälle mit einem Gesamtschaden von 577.000 Euro reduziert. Seit dem heutigen Freitag verhandelt hierüber die 7. Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Dr. Bettina Mielke. Vorgesehen sind vier Prozesstage bis Mitte Dezember.

Auf den Angeklagten aufmerksam geworden waren die Fahnder im Jahr 2009 durch ein Rechtshilfeersuchen ihrer Kollegen in Tschechien. Diese führten ein Ermittlungsverfahren gegen eine Malerin und einen Mann, der mit gefälschten Gemälden handelte. Bei diesem war der Angeklagte als Kunde registriert. Daraufhin wurde sein Telefon überwacht und er selbst observiert. Bei seiner Einreise von Tschechien wurde er kontrolliert. Er führte elf Gemälde mit sich, die er angeblich auf einem Flohmarkt gekauft haben will. Daraufhin setzte das Landeskriminalamt in München einen verdeckten Ermittler auf ihn an.

Dem Anklagesatz zu Folge soll der Angeklagte zusammen mit zwei Komplizen in den Jahren 2007 bis zu seiner Festnahme 2010 gefälschte Gemälde weltweit bekannter Künstler wie Picasso, Chagall, Modersohn-Becker, Nolde, Giacometti und anderen verkauft und damit über eine Million Euro erlöst haben. Einer geübten Kunstfälscherin soll er den Auftrag gegeben haben, die Bilder zu malen. Ein Dritter im Bunde trimmte sie dann auf „alt“. Der Angeklagte selbst soll sie dann im In- und Ausland zum Kauf angeboten haben. Den Handel betrieb er von seiner Straubinger Wohnung aus, die im September 2010 durchsucht wurde. Der daraufhin ergangene Haftbefehl wurde nach einem Tag Untersuchungshaft gegen Auflagen wieder außer Vollzug gesetzt.

Vor der Strafkammer erklärte der Angeklagte, dass für ihn die Vorwürfe nicht nachvollziehbar seien. Er selbst sei seit 50 Jahren Sammler und würde selbst malen. So habe er um die Jahrtausendwende erstmals Kontakt zu dem Händler aus Tschechien gehabt und von ihm mehrere Bilder für jeweils 6000 Dollar gekauft, weil sie ihm gefallen haben. Die Künstlerin habe er nie kennen gelernt. Erstmals 2002 habe er einem anerkannten Labor den Auftrag für eine Expertise gegeben, um zu sehen ob das Bild „echt“ ist. Die Analyse sei positiv gewesen. Dies bedeute aber nicht, dass es sich um Originale handelt. Es sagt vielmehr nur aus, dass sie „alt und gut“ sind. In der Folgezeit habe er 48 Analysen erstellen lassen und dafür um die 100,000 Euro ausgegeben. Auch habe er seinen Kunden gegenüber nie von Originalen gesprochen, sondern – wie auch in den Verträgen vermerkt – „Bilder wie gesehen und ohne Garantie“ verkauft. Wie anders wäre es auch erklärlich, wenn er ein Bild für 15.000 Euro verkauft, das als Original einen Wert von drei Millionen Euro hätte.

Den in der Anklageschrift geschilderten Deal mit dem verdeckten Ermittler bezeichnete der Angeklagte schlicht als falsch. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte dem „Kunden“ ein Bild des Künstlers Pechstein für 70.000 Euro verkauft haben, wobei 10.000 Euro in bar angezahlt wurden. Zur Restzahlung sei es durch die Festnahme des Angeklagten nicht mehr gekommen. Der Darstellung des Angeklagten zu Folge hatte sich der Mann als Mitarbeiter eines Millionärs ausgegeben, der sich eine Sammlung zulegen will. Er habe sich gezielt für das Gemälde interessiert. Daraufhin sei vereinbart worden, dass er eine Sicherheitsleistung von 10.000 Euro hinterlegt und dann innerhalb von acht Wochen eine Analyse erstellen lassen kann. Danach könne er sich entscheiden, ob er das Bild kaufen will oder nicht.

Die Sachbearbeiterin des Landeskriminalamtes berichtete als Zeugin, dass der Angeklagte in seiner Beschuldigtenvernehmung eingeräumt habe, dass er die Bilder als Originale angeboten und verkauft hat. Dabei habe er die Legende erzählt, dass es sich um echte Kriegsbeutekunst handle, die aus dem Nachlass des Vaters eines Freundes stammen. Dessen Familie habe sich entschlossen, die Bilder zu verkaufen. Neben dem in der Anklageschrift aufgeführten Gemälde habe der Angeklagte dem verdeckten Ermittler weitere 22 Bilder zu einem Gesamtpreis von 1,4 Millionen Euro angeboten. Nach seiner Haftentlassung habe der Angeklagte erneut Bilder zum Kauf angeboten. Das Landeskriminalamt habe keine Kenntnis davon, ob der Händler und die Kunstmalerin in Tschechien bereits verurteilt sind.

Der Prozess wird fortgesetzt.
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