Zwei Jahrzehnte Transplantationszentrum der Uniklinik Regensburg - 600 Patienten warten auf ...
Neues Leben für 4200 Menschen

Prof. Oliver Kölbl, Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, Prof. Bernhard Banas und Siegfried Bäumel (von links) wünschen sich mehr Organspender in Deutschland. Bild: Hinterberger
Archiv
Regensburg
18.07.2015
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1995 wurde das Transplantationszentrum am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) gegründet. Es stellt die Versorgung im ostbayerischen Raum sicher. Darüber hinaus ist es das einzige Kinderleber-Transplantationszentrum in ganz Bayern. In den letzten 20 Jahren ermöglichte das Zentrum mehr als 4200 Menschen ein neues Leben. "Die Transplantationsmedizin stand von Anfang an im Fokus des Universitätsklinikums", erklärte Prof. Oliver Kölbl bei der Jubiläumsfeier am Freitag. Die Versorgungssicherheit, die das UKR der Region biete, sei ein "großer Segen", sagte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs.

"Ich musste bei meiner ersten Transplantation bis nach München fahren. Wir standen damals im Stau und wurden dann schon ungeduldig von den Ärzten erwartet", erzählte Siegfried Bäumel. Der erste Vorsitzende der Hilfsgemeinschaft der Dialysepatienten und Transplantierten Regensburg/Straubing bekam vor 37 Jahren seine erste Organspende - eine Niere. Gerade die Zeit spielt bei Organtransplantationen oft eine große Rolle. So muss eine Niere dem Empfänger spätestens 40 Stunden nach der Entnahme eingesetzt werden, beim Herz dürfen nur 6 Stunden vergehen. Eine gute Anbindung an das Transplantationszentrum spielt deswegen eine wichtige Rolle. "Je weiter der Patient davon entfernt wohnt, desto schwieriger ist die Versorgung", betonte auch Prof. Bernard Banas, der Leiter des Regensburger Transplantationszentrums.

Sieben Programme

Am Universitätsklinikum gibt es sieben Transplantationsprogramme: Leber- und Stammzellentransplantationen für Erwachsene und Kinder sowie Verpflanzungen von Niere, Herz und Bauchspeicheldrüse für Erwachsene. Pro Jahr werden in Regensburg ungefähr 50 Nieren, 40 Lebern, zehn Herzen und fünf Bauchspeicheldrüsen transplantiert. Für die Zuordnung der Organe ist Eurotransplant zuständig, eine Stiftung, der neben Deutschland sieben weitere europäische Länder angehören. 600 Patienten des UKR stehen auf der Warteliste von Eurotransplant. "Die Wartezeit für eine Niere beträgt derzeit acht bis zehn Jahre", sagt Banas und bedauerte die geringe Zahl der Organspender. Er wünsche sich in diesem Zusammenhang eine Gesetzesänderung. So müsse in Deutschland einer Organspende aktiv zugestimmt werden. In Österreich gelte hingegen das Widerspruchsprinzip: In einem Register werden diejenigen vermerkt, die sich explizit gegen eine Organspende ausgesprochen haben. Eine solche Liste würde die Arbeit in den Kliniken erleichtern, aber auch Angehörige entlasten, bei denen häufig die Entscheidung für oder gegen eine Transplantation liegt, sagte Banas. Ein Register, in welchem diejenigen vermerkt werden, die sich für eine Spende ausgesprochen haben, lehnt der Leiter der Einrichtung aber ab.
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