34. Regensburger Stummfilmwoche präsentiert das Leben in den Goldenen Zwanzigern
Lebenskünstler und kühle Dramen

Der Stummfilm "Lady Windermere's Fan", eines von Ernst Lubitschs Meisterwerken, wird am Sonntag, 14. August, im MuseumsCafé in Regensburg präsentiert. Bild: Park Circus
Kultur
Regensburg
04.08.2016
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Tanz auf dem Vulkan, Weltherrschaft und Sonntagsvergrügen - die 34. Regensburger Stummfilmwoche präsentiert die Goldenen Zwanziger und alles, was die Menschen damals bewegte. Von Donnerstag, 4., bis Sonntag, 14. August, lädt der Arbeitskreis Film Regensburg zu Stummfilmen mit Live-Musik ein. Im Ambiente des MuseumsCafés im Klosterhof des Historischen Museums (Dachauplatz 2-4) erleben Besucher einen kulturell-sommerlichen Hochgenuss. Bei Regen sind die Veranstaltungen in der Filmgalerie "im Leeren Beutel".

Ein Stummfilmabend ist mehr als Kino oder Konzert: Jede Vorstellung wird von hochkarätigen Musikern begleitet, die für diesen Anlass neue Partituren schaffen. Die Filmkonzerte erwecken die Bilder der 1920er Jahre zu frischem Leben. Beginn ist jeweils um 20.45 Uhr.

Gleich am Donnerstag, 4. August, gibt es wunderliche Töne zu hören: Klaus Reichardt kommt mit seiner Pedal-Steel-Guitar, einem seltenen Instrument, das in der Stummfilmzeit aus einer Hawaii-Gitarre weiterentwickelt wurde. Mit dem Pianisten Sebastian Osthold schafft er einen lässigen Sound für den Film "Menschen am Sonntag" . Vier junge Berliner verbringen einen Sommersonntag am Wannsee, flirten, planschen, hören Musik, geben sich dem unbeschwerten Nichtstun hin - und das Publikum darf ihnen dabei zusehen. Von ähnlicher Leichtigkeit ist der Vorfilm "Ins Blaue hinein" , der Berliner Lebenskünstler - unter ihnen der junge Theo Lingen - bei der kreativen Arbeitsuche begleitet. Am Freitag, 5. August, begibt sich eine vernachlässigte Ehefrau auf "Abwege" . Gespielt wird sie von Brigitte Helm. Die Langeweile meint sie mit Erotik, Opium, Champagner und Zigaretten vertreiben zu können. Gestaltet wird dieses kühle Drama mit einer fast halbstündigen schwülen Ballszene von Rainer J. Hofmann, Spezialist für atmosphärische Musik.

Neue filmische Ästhetik


Expressionistisch wird es am Samstag, 6. August. Der "konsequenteste" Film seiner Art ist "Von Morgens bis Mitternachts" , der komplett auf gemalte Ausstattung in Weiß auf Schwarz setzt. Passend dazu gibt es den avantgardistischen Kurzfilm "The Fall of the House of Usher" Diese Werke bringen den Gästen die Gruselexperten Bertl Wenzl und Markus Stark nah. Eine Klammer bildet am 11. August (in der Filmgalerie) der aktuelle Dokumentarfilm "Von Caligari zu Hitler" , der die Entwicklung des frühen deutschen Kinos mit vielen Ausschnitten nachzeichnet

Das zweite Wochenende startet am Freitag, 12. August, mit "Der letzte Mann" , einem der Meisterwerke von F. W. Murnau. Dieser Film markiert den Beginn einer neuen filmischen Ästhetik: Der Kameramann befreit seinen Kasten vom Stativ, er erfindet die "entfesselte Kamera", wie wir sie noch heute kennen. Und das Aljoscha-Zimmermann-Ensemble übersetzt die starken Bilder in Musik.

Der 13. August bleibt großstädtisch. "Dr. Mabuse" ist der Bösewicht des Kinos. Er ist auf dem Höhepunkt seiner Macht und strebt die Weltherrschaft an. Sein Spiel mit Manipulation und Hypnose reißt viele in den Abgrund. Fritz Lang schafft nicht nur den ersten Superverbrecherfilm, er zeigt ein spannendes Bild der dunklen Seiten der Weimarer Republik, gestaltet von Rainer J. Hofmann.

Der Abschluss am Sonntag, 14. August, gehört dem Aljoscha-Zimmermann-Ensemble. Es trifft auf den Großmeister der "sophisticated comedy", Ernst Lubitsch. Eigentlich zwei Großmeister, denn "Lady Windermere's Fan" ist eine Verfilmung des frivolen Stücks von Oscar Wilde.

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Weitere Informationen:

www.filmgalerie.de
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