50 jahre Kunstforum Ostdeutsche Galerie
Zwischen Bewahrung und Dialog

Von Deutschland aus ostwärts: Seit nunmehr 50 Jahren bewahrt die Stiftung Ostdeutsche Galerie Kunst mit diesem Hintergrund. Das Kunstforum im Regensburger Stadtpark präsentiert diese einzigartige Sammlung - und zieht damit ein breites Publikum an. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
17.11.2016
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Die Geschichte geht weiter. Für das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg bedeutet das eine Herausforderung in besonderem Maße: einen Spagat zwischen dem historischem Auftrag einerseits und wechselnden politischen Aufträgen andererseits.

Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie (KOG) ist einzigartig. Und das ist nicht immer einfach. Seit ihrer Gründung vor nunmehr 50 Jahren beschäftigt sich die hinter dem Regensburger Museum stehende Stiftung ausschließlich mit einem: mit Künstlern, die einen Bezug haben "zu den historischen deutschen Ostgebieten und den einstigen deutschen Siedlungsgebieten im östlichen Mitteleuropa und in Südosteuropa". Etwas sperrig ist dabei nicht nur die Formulierung der Aufgabe sondern auch diese selbst.

"Das Museum wird von der politischen Konjunktur regelrecht gebeutelt." So formulierte es Prof. Dr. Dr. h.c. Walter Koschmal. Der Inhaber des Lehrstuhls für slavische Philologie, Literatur- und Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg hielt den Festvortrag anlässlich des Jubiläums.

Einzigartige Institution


"50 Jahre Stiftung Kunstforum Ostdeutsche Galerie" - das ist ein Grund zum Feiern. Seit nunmehr einem halben Jahrhundert kann das Haus schließlich von sich behaupten: "Innerhalb der deutschen Museumslandschaft ist das KOG die einzige Institution, die die Geschichte der Kunst von der Romanik bis zur Gegenwart aus dieser speziellen Perspektive beleuchtet."

Der Startschuss dazu fiel am 16. November 1966. Damals wurde im Alten Rathaus zu Regensburg die Stiftung Ostdeutsche Galerie ins Leben gerufen. Die Gründung war das Ergebnis einer langjährigen Vorarbeit, an der vor allem zwei Gruppen beteiligt waren: einerseits der Adalbert- Stifter-Verein, dessen Mitglieder sich aus Wissenschaftlern, Künstlern und Schriftstellern aus Prag und den Sudetengebieten zusammensetzten. Diese Vereinigung trug mit ihrer Sammlung von Arbeiten sudetendeutscher Künstler zum Grundstock des künftigen Museums bei.

Hinzu kam die Künstlergilde. Auch diese Selbsthilfeorganisation geflüchteter Künstler war auf der Suche nach einem festen Ort für ihre Sammlung. Und auch hierbei handelte es sich um Kunst aus den ehemaligen deutschen Gebieten im östlichen Europa. Die Bestrebungen wurden gebündelt. Vier Jahre nach der Gründung der Stiftung Ostdeutsche Galerie öffnete das Museum im Regensburger Stadtpark.

Seitdem geht es darum, "das kulturelle Erbe der einstigen deutschen Siedlungsgebiete in Mittel- und Südosteuropa weiterzutragen". So ist es im Kulturparagrafen des Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetztes verankert. Mehr als 2000 Gemälde, 500 dreidimensionale Werke und 30 000 Papierarbeiten im Museumsbestand leisten dazu ihren Beitrag. Die Künstler sind hochkarätig: Lovis Corinth gehört zum festen Inventar, ebenso wie Käthe Kollwitz und Alfred Kubin.

Lebendige Plattform


Trotz des aufs Bewahren hin ausgerichteten Auftrags versteht sich das Museum heute vor allem auf eines: als lebendige Plattform. Und zwar für einen Dialog zwischen Ost und West, der nach der Auflösung des Eisernen Vorhangs überhaupt erst möglich geworden ist. Die 2003 beschlossene Umbenennung der "Ostdeutschen Galerie" in "Kunstforum Ostdeutsche Galerie" ist hierfür bezeichnend. "Seinen Auftrag verfolgt das Museum bis heute", heißt es vonseiten des Hauses. Aber es entwickelt ihn auch weiter - "in Hinblick auf aktuelle Fragestellungen und das Geschehen in der zeitgenössischen Kunstszene".

Es ist und bleibt also eine Herausforderung, die das Kunstforum Ostdeutsche Galerie unter der aktuellen Direktorin Dr. Agnes Tieze bewältigt. Nach einer wechselvollen Geschichte mit mehreren Umbenennungen und Umbauten, bedeutenden Sonderausstellungen und zahlreichen Publikationen wird nun erst einmal gefeiert.

Freier Eintritt


Zu den Gratulanten gehörte beim Festakt neben Regensburgs Oberbürgermeister Joachim Wolbergs auch Emilia Müller, die Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration. Fürs Kunstpublikum gibt es zu den Feierlichkeiten freien Eintritt: Bis zum 20. November ist der Besuch des Kunstforums Ostdeutsche Galerie kostenlos.

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Weitere Informationen:

www.kunstforum.net
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