90. Jahresschau des Kunst- und Gewerbevereins
Zwischen Tradition und Aufbruch

Lena Schabus ist eine der beiden diesjährigen Preisträger. Ihr Bildcomposing "Straßen" wurde zur "interessantesten Arbeit der Ausstellung in der Altersgruppe unter 40 Jahren" gekürt. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
21.09.2016
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Von einem Generationswechsel sei zwar nicht gleich zu sprechen. Diesbezüglich ruderte Reiner R. Schmidt bei seiner Einführung zur Jahresschau des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg etwas zurück. Dennoch: Einen "dynamischen Übergang" beim 90. Jubiläum bemerkte wohl nicht nur der 3. Vorsitzende des Kunst- und Gewerbevereins.

Das Konzept dieser Ausstellung geht voll auf. Gleich neben der Eingangstüre steht Rayk Amelang vor seinen spielzeugartigen "Streetfightern" und verteilt Informationen in eigener Sache. Und zwar an ein Kunstpublikum, das dem Maler gerade mal bis zur Brust reicht. "Jugendliche Kunst und Bildsprache" nimmt bei der Jahresschau eine gehobene Position ein.

Zu ihrem 90. Jubiläum gibt sich die Jahresschau also betont frisch. "Einige bekannte Namen, die lange die Ausstellung prägten, sind heuer nicht dabei." Wenn es um die Professionalität des etabliertesten Regensburger Kunstvereins geht, haben Schmidt und seine Mitstreiter keinen Raum für Gefühlsduselei.

Stolz auf externe Juroren


Im Gegenteil: Auf die fachmännische Objektivität der externen Juroren ist man diesmal besonders stolz. Die Wiener Kuratorin Daniela Wageneder-Stelzhammer sowie Harro Schmidt, Leiter der Kunsthalle Faust in Hannover, gelten als ausgewiesene Kunstexperten. Ihnen oblag heuer die Aufgabe, aus mehr als 500 eingereichten Werken von 227 Künstlern eine Auswahl zu treffen. Das Ergebnis ist bisweilen überraschend. Die Schau lässt manchen Künstler vermissen. "Dafür gibt es viele neue Namen", so Schmidt. "Und gerade das macht die Schau spannend."

Auffallend dabei ist die verstärkte Hinwendung zur Fotografie. Nicht nur die diesjährige Preisträgerin "für die interessanteste Arbeit in der Altersgruppe unter 40 Jahren" arbeitet mit diesem Medium. Lena Schabus überzeugt die Jury mit ihrem digitalen Bildcomposing "Straßen" - und steht somit an der Spitze einer ganzen Gruppe Gleichgesinnter. Luise Aedtner, Heike Bogenberger, Stefanie Maun oder Uwe Moosburger sind nur einige, die sich ebenfalls der Fotografie verschrieben haben.

Doch es geht auch anders: Dies belegt der zweite Preisträger, der ausgezeichnet wurde. Christian Kölbl malt ganz traditionell mit Öl auf Leinwand. "Unterholz mit wandelndem Paar - Kopie nach Vincent van Gogh" lautet der Titel seines Diptychons. Zum wiederholten Male konnte sich die Jury heuer nicht für einen einzigen Preisträger entscheiden. Die Konsequenz: Zwei Preisträger. Und zweimaliges Preisgeld - trotz gerade erst abgeschlossener Renovierungsarbeiten und eines tropfenden Daches. "Bei jungen Leuten wird nicht gekleckert", lautet die Entscheidung. Die beiden Preisträger zwischen Tradition und Aufbruch stehen stellvertretend für die ganze Jahresschau. Alt und jung, herkömmlich und innovativ stehen hier Seite an Seite.

Viel mehr zu bieten


Die beständige Aufgeschlossenheit ist bezeichnend für den Verein, der mit seiner seit 1926 abgehaltenen Jahresschau die beständigste Plattform regionaler Künstler betreibt. Auf einen detaillierten geschichtlichen Rückblick verzichtet man bei der diesjährigen Eröffnung weitgehend. Auch deshalb, weil das Regensburger Kulturprogramm gerade an diesem Abend beweist, dass es mittlerweile noch viel mehr zu bieten hat, als die alljährliche Präsentation Oberpfälzer und niederbayerischer Künstler.

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Die Ausstellung im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg (Ludwigstraße 6) ist noch bis 30. Oktober zu sehen. Geöffnet: Dienstag - Sonntag: 12 bis 18 Uhr.
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