Alfred Kubin eröffnet neue Ausstellung
Reise in dunkle Träume

"Umschnürung Il" von Alfred Kubin. Bild: Oberösterreichisches Landesmuseum (2)
Kultur
Regensburg
09.07.2016
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"Frau mit Kerze" von Max Beckmann.

"Die Gespenster, Zauberer, Feen, Hexen, Kobolde und das mitunter auch teuflisches Geziefer speist fast ausschließlich meine Kunst." Treffender als Alfred Kubin selbst kann man das Werk des Künstlers eigentlich nicht beschreiben.

Dementsprechend schauerlich ist auch die Ausstellung, mit der das Regensburger Kunstforum Ostdeutsche Galerie den böhmischen Zeichner und Illustrator derzeit würdigt. "Alfred Kubin und seine Sammlung" lautet der nüchterne Titel der Schau. Treffender noch klingt die Überschrift eines cineastischen Begleitprogramms zur Schau. "Alptraumkino"!, genau das ist es, was die Ausstellung mit Werken von Kubin und Konsorten derzeit vor Augen führt - wenn auch in unbewegten Bildern.

Dass der 1877 im böhmischen Leitmeritz geborene und 1959 in seinem Schloss Zwickledt in Österreich verstorbene Künstler in der Regensburger Ausstellung nicht alleine dasteht, macht den besonderen Reiz der Schau aus. Werke aus Kubins eigener Sammlung geben einen Einblick in die Inspirationsquellen des Künstlers, bei dem es von Hexen, Schlangen und Dämonen nur so wimmelt.

Die Auswahl der von Alfred Kubin zusammengetragenen Künstlerkollegen überrascht dabei nicht. Francisco de Goya, James Ensor, Edvard Munch, Max Beckmann, Johann Heinrich Füssli: Kubins Sammlung vereint so ungefähr alles, was Rang und Namen hat in der dunklen Nische der Kunstgeschichte. Auch Dürers apokalyptische Visionen und Hiernomymus Boschs detaillierte Höllenbilder fehlen nicht.

Überquellende Schränke


"Von der weiten Welt sah ich nicht viel", sagte Kubin einmal in Bezug auf sich und seine umfangreiche Sammlung. Sein Reich sei das der Kunstblätter und Bücher gewesen, die seine Schränke überquellen ließen.

Dass sich Alfred Kubin intensiv mit den Werken der von ihm verehrten Künstler auseinandersetzte, klingt einleuchtend. Die Mischwesen und schauerlichen Gestalten aus der eigenen Hand des Künstlers fügen sich bestens ein in diesen Kanon des Grauens. Wenn Kubin Tiere malte, dann bevorzugte er Schlangen, Fliegen oder Grillen. Pferde kamen ebenfalls oft aufs Blatt - Kubin hatte zeitlebens Angst vor dieser Gattung.

Auch wenn es um Portraits ging, war Kubin um unheimliche Sujets nicht verlegen. Der Großinquisitor etwa, den er zeichnete, hätte beste Chancen als Figur in jeder Geisterbahn. Eine Wachsfigur, wie sie in den Auslagen kleiner Geschäfte früher üblich war, stellte Kubin allein aufgrund ihrer unheimlichen Wirkung dar.

Gar nicht gut weg kommen bei Alfred Kubin übrigens die Frauen. Sie treten vor allem als Hexen oder anderweitige teuflische Bedrohung auf.

Entlegenes Schloss


"Sein eigenbrötlerisches Leben im entlegenen Schloss Zwickledt und seine unheimlichen Themen brachten Kubin schon zu Lebzeiten die Aura eines mysteriösen Schöpfers ein", heißt es in der Ausstellung im Regensburger Kunstforum. Der Künstler selbst beförderte diese Einschätzung gerne. Die Bilder, die seinem Geist entsprangen, speisten sich meist aus den eigenen Träumen. Großes Alptraumkino auf Papier!

Die Ausstellung "Alfred Kubin und seine Sammlung" hat das Kunstforum Ostdeutsche Galerie von der Landesgalerie Linz des Oberösterreichischen Landesmuseums übernommen - der Künstler hat seinen gesamten Nachlass der Republik Österreich vermacht.

ServiceDie Schau ist bis zum 18. September in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17, Donnerstag von 10 bis 20 Uhr. Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm sowie die Filmreihe "Alptraumkino", die vom Stummfilm "Nosferatu" bis zum 80er Jahre Horrorklassiker "Die Fliege" reicht. Informationen unter Telefon 0941/ 297140. (wsu)

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Weitere Informationen:

www.kunstforum.net
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