Alice Sara Ott und Francesco Tristano überraschen bei Regensburger "Odeon-Concerten" mit ...
Klavierduo auf neuen Wegen

Kultur
Regensburg
21.04.2015
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Ganz so "skandalös" wie das der reißerische Programmtitel "Scandale" zum Ausdruck bringen will, ist der Auftritt von Alice Sara Ott und Francesco Tristano bei den Regensburger "Odeon-Concerten" natürlich nicht. Schließlich gelten die deutsch-japanische Klaviervirtuosin und der luxemburgische Pianist nicht gerade als die Enfants terribles ihres Genre.

Und doch ist der Auftritt dieses Klavierduos erfrischend anders als das, was man vom sogenannten Mainstream in diesem Bereich gewöhnt ist. Denn was die beiden jungen Pianisten vor rund 1400 Zuhörern im Audimax der Regensburger Universität bieten, zeugt von einem beeindruckenden Gespür für eine ungewöhnlich breite Stilpalette und von einem Musikverständnis, das weit über eine engagierte Interpretation einer Komposition hinausgeht. So versteht sich vor allem Francesco Tristano nicht nur als Reproduzierender, sondern auch als Musikschaffender, was seine Bearbeitungen ebenso ausdrücken, wie seine eigenen Kompositionen.

Raffiniert gespielt

Einen Eindruck davon kann man bereits in Tristanos einleitend zu Gehör gebrachten Fassung für zwei Klaviere von Maurice Ravels berühmtem "Boléro" erhalten. Es ist schon faszinierend zu hören, wie raffiniert er dieses große Orchesterwerk in seiner Bearbeitung auf lediglich zwei Klaviere verteilt, nicht mit unkonventionellen Spieltechniken und Jazzharmonien geizt und dadurch dem Publikum eine ganz neue Hör-Perspektive ermöglicht ohne die Substanz des Werks zu gefährden.

Alice Sara Ott und Francesco Tristano setzen diese grandiose Bearbeitung mit einer fesselnden Energie und einem packendem emotionalen Durchleben der Partitur um. Hier zeigt sich bereits, dass sowohl Ott als auch Tristano neben ihrer klassischen Komponente auch Gespür für groovende Rhythmen und Jazz-Harmonik im Blut haben. Als wollten sie gleich am Anfang die Bandbreite ihres Könnens beweisen, stellen sie Ravels Bearbeitung für zwei Klaviere von Claude Debussys Nocturnes "Nuages" und "Fetes" an die zweite Stelle dieses Programms. Zwar besteht hier durch die Komponente Ravel ein Bezug zwischen den beiden Werken und doch sind sie sehr kontrastierend. Denn in Ravels Bearbeitung dieser beiden Debussy-Nocturnes kommt neben einer lebendigen Motorik phasenweise auch der ursprüngliche, impressionistische Charakter des Werks zum Tragen, den die beiden Ausführenden ebenfalls mit viel Gefühl erfassten.

Originelle Bearbeitung

Kurz vor der Pause hört das Publikum dann noch Tristanos originelle Bearbeitung von Ravels "La Valse", welche das Duo mit großer Leidenschaft und dennoch mit beeindruckender Geschlossenheit über die Bühne bringt.

Groovende Rhythmik

Nach der Pause fesselt die oft raffiniert komplementär und doch sehr groovend angelegte Rhythmik in Tristanos Eigenkomposition "A Soft Shell Groove Suite" und eine wirklich grandios lebendige und mitreißende Interpretation von Igor Strawinskys "Sacre du Printemps" in der Fassung des Komponisten für zwei Klaviere. Die Zugabe konnte mit einem Satz aus einer Mozart-Sonate kaum kontrastierender zum Programm sein, zeigt aber ebenfalls die breite Palette des Duos.
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