Andreas Baesler verlegt Mozarts "Cosi fan tutte" am Theater Regensburg in eine ...
Die Schule der Liebenden

Regisseur Andreas Baesler wählt in seiner Regensburger Inszenierung von "Cosi fan tutte" die Schule als experimentelle Institution für Beziehungen zwischen Mann und Frau. Bild: Martin Sigmund
Kultur
Regensburg
27.10.2015
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Mozarts komische Oper "Cosi fan tutte" ("So machen es alle") ist seit ihrer Wiener Uraufführung im Jahre 1790 aufgrund ihres Librettos von Lorenzo da Ponte nicht ganz unumstritten. Zu läppisch, oberflächlich, unlogisch und vor allem frauenfeindlich finden heute nicht wenige Zeitgenossen die Handlung, was durchaus nachvollziehbar ist. Aber gerade in den letzteren Jahrzehnten bewiesen einige Inszenierungen, dass man aus diesem Stoff doch etwas machen kann. Die Herausforderung für jede Regie ist allerdings, dass man eine filigrane Gratwanderung an den Tag legen muss, die einerseits das komödiantische Potenzial des Stoffes zum Ausdruck bringt und andererseits ein Abdriften in den kitschigen Klamauk verhindert.

Über Männer und Frauen

Regisseur Andreas Baesler lässt sich in seiner Inszenierung am Theater Regensburg einiges einfallen, um die Mängel der Handlung zu entkräften und insgesamt ist ihm das auch gut gelungen. So nimmt er den Untertitel "La Scuola degli amanti" ("Die Schule der Liebenden") wörtlich und verlegt die Handlung in eine Schule mit einer überdimensionalen Tafel zum Aufklappen, Schuluniformen und mathematischen Formeln an der Tafel, welche die Beziehung zwischen Männern und Frauen erklären sollen. Damit schafft Baesler quasi eine Versuchsanordnung zu einem Experiment, das freilich immer noch auf der etwas dümmlichen Wette beruht, ob Frauen treu sind und sich nicht um den moralischen Anspruch der Männer kümmern, die sie verführen und damit natürlich ebenfalls untreu sind. Baeslers Inszenierung kann beeindrucken, wenngleich man im zweiten Akt eine oder zwei dramaturgisch unrelevante Arien ruhig hätte streichen können, um die Länge der Aufführung von über drei Stunden zu reduzieren. Die gut durchdachten Bewegungsabläufe, das geschickte Spiel mit Licht und den Raum öffnenden Bühnenbildern von Hartmut Schörghofer - der auch die Kostüme dazu passend kreierte - sowie zahlreiche humoristische Details sorgen trotz der Aufführungslänge für Kurzweil.

Hohes Niveau

Ein großes Kompliment muss man den Bühnenakteuren bei dieser Produktion machen, die durchwegs beeindruckend agieren. Allen voran ist hier Anna Pisareva in der Rolle der Fiordiligi zu nennen, die ihre Stimme mit großer Geschmeidigkeit und viel Sinn für sämtliche dynamischen Nuancen einsetzt. Aber auch Vera Semieniuk als Dorabella, Martina Fender als Despina, Matthias Wölbitsch als Guglielmo, Yinjia Gong als Ferrando und Mario Klein in der Rolle des Don Alfonso sorgen für ein hohes Niveau.

Selbiges gilt für den von Alistair Lilley einstudierten Chor und das Orchester, das unter Leitung von Generalmusikdirektor Tetsuro Ban an diesem Premierenabend durchwegs zu angemessenen Tempi findet und die Spannungsbögen und dynamischen Verästelungen überzeugend umsetzen kann. Somit ist der lange Schlussapplaus im Regensburger Theater am Bismarckplatz durchaus gerechtfertigt.
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