Angelo Branduardi in Rregensburg
Ein Poet, der die Töne vor das Wort einreiht

Er lässt den Wasserfloh noch immer hüpfen und macht mit "La Pulce d'Acqua" seinen wohl größten Hit: Angelo Branduardi, der seine Töne und Worte zu einer perfekten Einheit fügt. Bild: hou
Kultur
Regensburg
07.11.2016
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Von Wolfgang Houschka

Regensburg. Der Mann im seidenen Künstlergewand gleicht mitunter einer Statue. Er ruht in sich, hebt mit geschlossenen Augen dirigierend seine Arme und lächelt wie einer, der mit der Welt zwar unzufrieden, mit sich selber aber im Reinen ist. Ein Poet, der die Töne vor das Wort einreiht und seine Fans deswegen hat, weil er nie danach trachtete, dem Zeitgeist Tribut zu zollen. Die wuschelige Haarpracht des Angelo Branduardi wird zwar immer grauer. Doch nach wie vor zieht der Meister durch europäische Lande, um seine Botschaften zu verkünden.

Nach fast genau vier Jahren war er wieder einmal in Regensburg. Schweigsamer in der Moderation seiner Lieder als je zuvor. Sichtlich gealtert auch. Doch noch immer einer, der etwas mitzuteilen hat. Nämlich: Es ist schön auf diesem Globus, also macht ihn nicht kaputt. Alles in italienischer Sprache. Doch man muss nicht jedes Wort verstehen, um zu merken: Da steht ein wohlmeinender auf der Bühne des kalten Betonklotzes namens Audimax.

Branduardi ist diesmal aufgebrochen, um seine Hits zu präsentieren. Bescheiden, lächelnd, ein Troubadour, der dem Moriskentänzer gleich seine Weltanschauungen verkündet. Im seidenen Künstleranzug, ledernen Pantoffeln und, wie man es von dem unterdessen 66-Jährigen kennt, ohne Socken. Die Ansichten des Franz von Assisi hat er vertont, verhilft dem "Francesco", sich zu artikulieren. Branduardi greift zur Gitarre, hat auch die Geige dabei. Wenn er dieses Instrument bedient, stellt sich allerdings die Frage: Warum nur lässt der Barde aus Cuggiono bei Mailand vieles vom Band einspielen? Er hat doch drei glänzend disponierte Begleitmusiker. Es ergibt sich eine weitere Ungereimtheit in diesem nur zweimal 40 Minuten langen Auftritt. Warum nur hat Branduardi ausgerechnet den Gassenhauer "O Sole mio" als Zugabe gewählt? Was herüberkommt von der Rampe, klingt dünn. Dabei hätte es so vieles von ihm gegeben, das an diesem Abend nicht erklang.

Die Show des Italieners hat freilich auch Höhepunkte, die das Eintrittsgeld lohnen. Er steigert sich förmlich hinein in dieses "Alla fiera dell'est", macht fünf Minuten lang "La Pulce d'Acqua". Der von ihm beschriebene Wasserfloh hüpft noch immer so wie einst. Was folgt, ist ein Violinsolo mit dem gleichen Thema. Es unterstreicht, wie sehr Branduardi längst zu einem Denkmal geworden ist.

Wenn das Licht in der nüchternen Betonburg angeht, erntet der 66-Jährige Ovationen. Stehen dargebrachter Beifall für einen, der nicht müde wird, die Welt aus seiner Sicht zu erklären. Leise, mit Bedacht. Den Aufschrei überlässt Branduardi seinem Publikum.
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