Anne-Sophie Mutter und das "Danish National Symphony Orchestra" begeistern im Audimax
Zwischen Perfektion und Virtuosität

Kultur
Regensburg
02.02.2015
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Wenn man Anne-Sophie Mutter schon öfters live gehört hat und auf dem Weg zu einem neuen Konzert der Stargeigerin ist, dann denkt man an das unglaublich hohe Niveau ihres letzten Auftritts. Und doch ist man dann jedes Mal aufs Neue von dem faszinierenden Fähigkeiten und dieser Violinistin überrascht.

Grandioses Musikverständnis

Auch bei ihrem jetzigen Auftritt bei den Regensburger "Odeon-Concerten" macht Mutter ihre grandioses Musikverständnis und ihre Souveränität, Perfektion und Virtuosität auf äußerst beeindruckende Art deutlich. Zusammen mit dem "Danish National Symphony Orchestra" unter Leitung von Cristian Macelaru gestaltet sie im mit rund 1500 Zuhörern gut gefüllten Audimax der Regensburger Universität einen musikalischen Abend auf höchstem Niveau. Dafür hat sich Anne-Sophie Mutter mit dem Violinkonzert in d-Moll op. 47 aus der Feder des finnischen Komponisten Jean Sibelius auch eines der beeindruckendsten Werke seiner Gattung ausgewählt. Und die weltbekannte Solistin weiß das Potenzials ihres Parts auch hier auf unnachahmliche Art zu nutzen. Das fängt schon damit an, wie geschmeidig und genial unaufdringlich sie sich zu Beginn in die leisen Streicherklangflächen einfügt, um dann immer energischer die Konturen ihres Spiels herauszustellen und in der kleinen Solokadenz des Kopfsatzes ihre breitgefächerte Ausdruckspalette zu präsentieren.

In verstärktem Maße gilt das natürlich noch für die große Solokadenz am Ende des Kopfsatzes, in welcher Mutter wieder einmal ihr unglaubliches Gespür für den Charakter einer Partitur vermittelte. Von der zartesten Süße der Töne, bis hin zu aggressiv herausgeschleuderten Doppelgriff-Folgen ist hier in meisterhaft abgestimmten Dynamik-Nuancen alles zu vernehmen.

Tiefe Ausdruckskraft

Im Adagio dieses Werks beweist Anne-Sophie Mutter einmal mehr ihr tiefes emotionales Verständnis für den Charakter eines lyrischen Satzes und verleiht ihrem Part und damit dem gesamten Satz bis zum quasi im Nichts verklingenden Schlusston eine tief berührende Ausdruckskraft.

Faszinierend auch das interpretatorische Umschalten auf die Funken versprühende Energie des Finalsatzes, dessen Doppelgriff-Folgen und Läufe die Solistin mit einer Perfektion und künstlerischen Ausstrahlung umzusetzen weiß, die ihresgleichen sucht. Beeindruckend ist auch die gute Abstimmung und durchwegs lebendige Kommunikation mit dem Orchester. Als Zugabe intoniert die Stargeigerin eine Sarabande von Johann Sebastian Bach, in welcher sie auch ihr unglaublich inniges Gespür zu barocken Strukturen über die Bühne bringt

Zuvor hat bereits das unter Macelaru kongenial agierende Orchester seine große Klasse in Carl Nielsens Ouvertüre zur Oper "Maskerade" angedeutet und nach der Pause durch die fesselnde Interpretation von Johannes Brahms' Sinfonie Nr. 1 sowie durch Zugaben von Nilsen und Sibelius diesen Eindruck komplettiert. Dieser geschlossen agierende Klangkörper, der die Spannungsbögen packend umsetzt und dynamische Abstufungen bis in jede Verästelung auszuloten weiß, bietet Anne-Sophie Mutter einen würdigen Gegenpart.
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