Auftakt der Odeon-Concerte
Aus der Ruhe erwächst die Macht

Kultur
Regensburg
21.11.2016
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Von Peter Donhauser

Regensburg. Beethovens Violinkonzert D-Dur op. 61 von 1806 lässt sogleich die Weltklasse der Musiker aufleuchten. Hierbei sei an den Regensburger Johann Nepomuk Mälzel (geboren 1772) erinnert, der sich 1815 das Metronom patentieren ließ. Beethoven und sein Schüler Carl Czerny haben damit die Tempi unzähliger Beethoven-Opera definiert, so auch des Violinkonzerts. Anders als die Interpreten früherer Jahrzehnte greifen Mariss Jansons und Stargeiger Gil Shaham zu den von Czerny empfohlenen zügigen Tempi.

Der grandiose Paukist trägt mit den ersten fünf wunderbar sensibel gestalteten Schlägen die Atlas-Last, dann ist klar: Uns erwartet eine Interpretation näher dem französischen Geschwind- denn dem preußischen Präsentier-Marsch, wozu schon Eduard Melkus riet.

Hohe Piano-Begleitkunst


Der famose, charismatische Geiger fühlt sich das gesamte Konzert hindurch wunderbar getragen von der außerordentlich hohen kommunikativen Piano-Begleitkunst des Orchesters. Er musiziert mit apollinischer Klarheit. Beethovens "Humanitätston" (edel intoniert die Holzbläser-Choräle) dominiert über den gegen den Strich gebürsteten "Revolutionston", fern jedem zu dick zelebrierten Pathos. Dämonische Hexenritte wie bei Kopatchinskaja liegen Gil Shaham denkbar fern. Seine magisch-suggestive Ausstrahlung wie Kraft resultiert aus meditativ-wacher Ruhe.

Das raumfüllende Pianissimo seiner kristallen leuchtenden Stradivari lässt schon im 1. Satz den Atem stocken. Im Romanzen-ähnlichen zweiten geht er noch weiter bis an die Grenze zum Nichts, die Töne scheinen mehr gedacht als gespielt und schlagen doch alle in ihren Bann. Uneitel-bescheiden nimmt sich Shaham bei virtuosen Begleitfiguren zurück und gewinnt damit weitere Sympathien. Als Zugabe Bachs Gavotte en Rondeaux.

Mit wetterleuchtendem Witz, frechem Holz, schimmerndem Blech, höchster Transparenz und bis ins kleinste Detail ausgefeilter Artikulation und Phrasierung geht es weiter mit Joseph Haydns "Militärsinfonie" G-Dur Hob. I/100 von 1794. Wieder lässt die Pianokultur der Streicher nur noch staunen. Die Klarinetten und das aufgerüstete Schlagzeug servieren seltene Haydn-Farben. Die militärischen Trompetensignale und das Finale mit Schellenbaum, Triangel, Becken und großer Trommel in Prozessionaufmarsch wecken Schmunzeln wie Begeisterung. Die Militärsinfonie hat halt mehr "Wiener Schmäh" als aggressiver Duktus.

In lodernder Glut


Bei Strawinskys Ballett-Suite "Der Feuervogel" von 1945 erscheinen dann die dunklen, mystischen Farben des Orchesters in lodernder Glut. Fantastisch das einleitende Erdbeben der großen Trommel, die blitzsauberen Akkorde im tiefen Blech. Mächte und Energien brauen sich zusammen, sie entladen sich ungehemmt im "Höllentanz", ebenso die Ovationen nach der Schlusshymne.
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