Ausstellung des Fotografen Detlef Orlopp in Regensburg
Die Struktur der Natur

Der analogen Schwarz-Weiß-Fotografie - wie bei dem Wellenbild von 1988 oder dem Porträt "Ines" von 1971 - ist Detlef Orlopp bis heute treu geblieben, ebenso seiner Einstellung: "Mit jeder Fotografie, die ich mache, gebe ich der Erde die Erde zurück." Bilder: Detlef Orlopp (2)
Kultur
Regensburg
04.03.2016
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Der analogen Schwarz-Weiß-Fotografie - wie bei dem Wellenbild von 1988 oder dem Porträt "Ines" von 1971 - ist Detlef Orlopp bis heute treu geblieben, ebenso seiner Einstellung: "Mit jeder Fotografie, die ich mache, gebe ich der Erde die Erde zurück." Bilder: Detlef Orlopp (2)

Er will den Betrachter sensibel machen für die Wunder der Natur. Das gelingt Detlef Orlopp mit faszinierenden Bildern und der Frage nach oben und unten.

Von Susanne Wolke

Wie ein Fels in der Brandung. Das alte Sprichwort erhält bei Detlef Orlopp eine völlig neue Bedeutung. Bei seinen Bildern stellt sich nämlich die Frage: Fels oder Brandung? Beides ist möglich bei den Aufnahmen des Fotografen, der die Naturdarstellung in eine völlig neue Dimension erhebt.

Eines jedenfalls steht fest: Um abstrakte Muster handelt es sich bei den Darstellungen in Schwarz-Weiß nicht. Auch wenn es so aussieht. Die Oberfläche von Wellen, Eis und Steinen reduziert Detlef Olopp auf gleichmäßige Strukturen und Schattierungen. In einer Art Abkehrung von den Errungenschaften der Fotografie macht er das Dargestellte für das Auge des Betrachters zur grafischen Fläche.

"Aus Detlef Orlopps Fotografien spricht die Stille", sagt Agnes Tieze. Die Direktorin des Kunstforums Ostdeutsche Galerie befindet sich vor einer Reihe von "Seestücken", die genauso gut auch "Felsstücke" sein könnten und stellt die aktuelle Ausstellung ihres Hauses vor.

"Nur die Nähe - auch die Ferne" lautet der Titel der Schau. Im Rahmen einer groß angelegten Retrospektive wird hier die künstlerische Entwicklung Detlef Orlopps nachgezeichnet. Der Titel spielt auf den philosophischen Hintergrund des Künstlers an. Es gehe um "die unterschiedlichsten Segmente in unserem Bewusstsein über die Welt". So erklärt es der 1937 in Westpreußen geborene Fotograf, der heute in St. Goar am Rhein lebt.

Auf die Probe gestellt


Das Bewusstsein und die Wahrnehmung des Betrachters werden im Regensburger Kunstforum prompt auf die Probe gestellt. Quadratisch sind sie fast alle, die rund 180 Werke, die in dieser Zusammenstellung vom Museum Folkwang in Essen übernommen worden sind. Aber: Wo ist oben, wo ist unten? Was ist vorne, was hinten? Sind die Linien horizontale sanfte Wellen oder vertikal herabstürzende Wasserströme?

Kein Titel nur Datum


Fragen über Fragen - und die Titel der Arbeiten tragen nicht bei zu einer Entschlüsselung, die sicherlich auch nicht gewollt ist. Im Gegenteil: Durch die ausschließliche Angabe des Datums, an dem das Bild aufgenommen wurde, annulliert Detlef Orlopp alles Überflüssige. Und das ist für ihn der Ort, der Raum, der Maßstab. Der erklärte Wunsch des Künstlers ist es, "den Betrachter für das Wunder der Natur zu sensibilisieren." Ob dessen geografische Lage nun in der Türkei ist oder in den Abruzzen, spielt für Orlopp keine Rolle.

Einzig in der Naturdarstellung erschöpft sich Detlef Orlopp allerdings nicht. Das zeigt die Regensburger Ausstellung, die jeder der wichtigsten Motivgruppen des Fotografen ihren Platz einräumt. Neben Seestücken, Wasserlandschaften, Berg- und Gletscheransichten finden sich in der Schau auch großformatige Köpfe.

"Felsformationen porträtiert er wie menschliche Wesen, Gesichter erkundet er wie Landschaften", heißt es von Seiten der Kuratoren über die auf den ersten Blick thematischen Ausreißer Detlef Orlopps, die die Portraitierten in krasser Frontalansicht zeigen. Außerdem gewürdigt ist in der Schau das Frühwerk des nach seiner Flucht in den Westen in Siegen, Köln und Saarbrücken ausgebildeten Fotografen. Dazu gehören unter anderem experimentelle Objektdarstellungen.

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Die Ausstellung "Detlef Orlopp. Nur die Nähe - auch die Ferne. Fotografien" läuft bis zum 5. Juni im Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Dr.-Johann-Maier-Straße 5 im Regensburger Stadtpark. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, Donnerstag von 10 bis 20 Uhr.

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Weitere Informationen:

www.kunstforum.net
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