Ausstellung "Feuer ins Öl" von Ulrike Angermeier
Entflammt für die hohe Kunst des Porträts

Sich selbst hat Ulrike Angermeier als starke Malerfürstin dargestellt. Ihre Bilder sind faszinierend und virtuos. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
25.01.2016
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Man traut seinen Augen kaum, wenn Ulrike Angermeier neben ihrem Selbstporträt steht. Die Künstlerin malt mit fotografischer Exaktheit. Auch mit ihren anderen Arbeiten, die sie in der Herz-Marien-Kirche ausstellt, tritt sie in große Fußstapfen.

Ulrike Angermeier malt Porträts. Aber was für welche! In der Ausstellung, mit der sie sich derzeit in der Herz-Marien-Kirche in Regensburg präsentiert, hängen zwar eingangs mehr oder weniger konventionelle Gesichter. Auf ihrer "Angeberwand" aber lässt es die Künstlerin krachen. Porträts gibt es auch hier. Oder vielmehr: Modelle. Denn was die Malerin bei ihren großformatigen Leinwänden vor den Pinsel kommt, wird zur phantastischen, gerne mythologischen Gestalt. Gaddafi schlüpft in die Rolle des Holofernes. Dessen Gegenspielerin Judith sind gleich mehrere Bilder gewidmet.

Klassische Ölmalerei, mythologische Themen, Porträts und daneben auch wunderbare Stillleben, die barocke Manier aufgreifen ohne eklektisch zu wirken: Angermeier hat es mit den alten Meistern. Caravaggio oder Frans Hals - mit ihren Bildern tritt die 1982 in Schrobenhausen geborene und heute in Regensburg lebende Künstlerin durchaus in deren Fußstapfen.

Verbindung mit Lenbach


Mit Franz von Lenbach hingegen verbindet sie eigener Aussage zufolge nicht viel. Außer demselben Geburtsort und dasselbe künstlerische Genre - und das ist ja immerhin etwas. Viel mehr geniale Porträtmaler hat Schrobenhausen bislang nicht hervorgebracht. Die Künstlerin malt virtuos. Wenn sie möchte, bringt sie Gesichter in fotografischer Exaktheit auf den Bildträger.

Allerdings: Das Wort "Foto" will sie nun gar nicht hören. "Sind da nicht haufenweise andere Dinge mit dabei? Kommen da nicht Totenköpfe und Masken heraus?" Ärgerlich werden könnte Angermeier bei allzu flüchtiger Betrachtung ihrer Kompositionen. Denn natürlich sind ihre Bilder mehr als die reine Abbildung der Wirklichkeit. Einzelne Gestalten und ganze Heerscharen phantastischer Wesen kriechen bei ihr aus Ritzen und Kleiderfalten der Dargestellten, wimmeln über die Bildfläche, sind oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen.

Zitate Goyas oder Kubins, Anspielungen auf die aktuelle Weltpolitik: Bei Ulrike Angermeier vermischt sich all das zu einer Fülle an Bewegung und Farbe. Die Farben mischt sie selbst und trägt sie in einzelnen Schichten wohlbedacht auf. Das Ergebnis ist eine "Buntheit", die beim Betrachter einschlägt, ohne grell zu wirken. Dabei kann die Porträtmalerin auch monochrom. Etliche Porträts hat sie mit Bleistift, Tusche oder Kohle auf Papier festgehalten - ohne dabei auf die barocke Umhüllung der Dargestellten zu verzichten.

Malerische Pracht


"Feuer ins Öl" hat Ulrike Angermeier ihre Schau in der Herz-Marien-Kirche genannt. Der dortige "Arbeitskreis Kunst" bestückt das überaus schlichte Gotteshaus der 1960er Jahre regelmäßig mit Ausstellungen. Dank ihr lodert es hier nun in malerischer Pracht.

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Die Ausstellung "Feuer ins Öl" ist bis zum 20. Februar in der ehemaligen Taufkapelle in Herz Marien, Rilkestraße 17 in Regensburg zu sehen.
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